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Saxophone schnarchen nicht

■ Die Reihe „Know No Bounds“ stellte das belgische „Blindman Kwartet“ vor

Blindman ist der Name einer von Marcel Duchamps 1917 in New York gegründeten dadaistischen Zeitschrift. BLiNDMAN dagegen ist der Name eines Saxophonquartetts, das sich „Kulturbotschafter Flanderns“ nennen darf. In dieser Mission tun BLiNDMAN, was von der Avantgarde erwartet wird: Sie reisen durch Europa und tun mit Instrumenten nicht das, was üblicherweise mit ihnen angestellt wird.

Saxophone schnarchen zum Beispiel nicht. Außer natürlich, sie werden von Eric Seichim, dem Mastermind des Quartetts bedient. Sein „Poortenbos“-Zyklus dient der Gruppe als Visitenkarte. Nacheinander werden die Mitglieder des Ensembles und die erstaunlichsten Klänge vorgestellt. Da hisst das Sopran-Saxophon wie die hinterlistige Schlange Kaa aus dem Dschungelbuch, das Tenor-Saxophon plingplongt wie eine wattierte Mandoline und das Bariton-Saxophon von Veronique Delmelle zeigt, wie ein Saxophon funktioniert: Saxophone sind schließlich Kleinode der Feinmechanik, und dieser Aspekt wird hörbar gemacht.

Unterstützt durch wer weiß welche Wunderwerke der Mikrophontechnik kann Delmelle jede einzelne Klappe in eine anders gestimmte Tomtom-Trommel wandeln. Warm, butterweich und massiv rollen die Trommelläufe durch den Saal, und BLiNDMAN machen die Welt mit Sax'n'Drum'n'Bass bekannt.

In der Adaption eines John Cage-Stücks wird dieser Effekt weiter erkundet. „She Is Asleep“ wurde 1943 ursprünglich für vier Schlagzeuge geschrieben, von BLiNDMAN aber mit vier Saxophonen aufgeführt. Das funktioniert und amüsiert, aber die Frage bleibt: Wozu? BLiNDMAN scheint manchmal einfach Effekt-verliebt zu sein. Es irritiert positiv, wenn mitten in Seichims „Lié/Délié“ der Schalltrichter als Bongotrommel genutzt wird. Bei der zweiten Wiederholung aber klingt das nur noch nach einer Skifflegruppe, die ihre neuen Pappkartons ausprobiert. Zum Ausgleich gibt es einige sehr intelligente Minuten zum Thema „Die Notwendigkeit des Motivs in der Musik und sein Käfigcharakter“.

Mit Dadaismus hat das alles nichts zu schaffen. Wohl aber mit dem immer noch zu ehrenden John Cage, und das ist ja auch gelungen.

Matthias Anton

Nächstes „Know No Bounds“-Konzert: ensemble acht, 26. Februar, 20 Uhr, kampnagel (k6)

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