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Es stürmt und schüttet über Berlin. Und als sich das Gewitter legt, ist es immer noch warm und Fetzen von Soundchecks dringen bis in die Wohnung. Denn es ist endlich wieder so weit: Sommeranfang, der längste Tag des Jahres, und damit Fête de la Musique. Diesmal an einem Sonntag, was bedeutet, dass noch mehr verstrahlte Party-People als sonst die Fête als Afterhour betrachten, und noch mehr besoffene Touris als sonst durch Kreuzberg schwanken. So wie der sonnenverbrannte Engländer mit Fischerhut zum Beispiel, der den Blick auf den Späti-Fernseher verdeckt, auf dem gerade das Spanien-Spiel läuft. Dieses interessiert mich gerade wirklich mehr als der aus einer schlechten Anlage dröhnende Schranz, der Hunderte ravende Menschen die Straße neben dem Görli blockieren lässt. Zur Halbzeit steht es dann schon 3:0 und das erste Späti-Bier ist ausgetrunken. Vielleicht wird es Zeit, mal nach den Leuten zu schauen, die mir seit einer Stunde regelmäßige Standort-Updates schicken?

„Im Grunde sind die Fête de la Musique und der 1. Mai doch dasselbe: Man läuft hauptsächlich rum und versucht, sich zu treffen“, sage ich zu dir, während ich den Live-Standort eines Freundes auf meinem Handy verfolge und wir uns durch die Menschenmenge an der Wiener Straße drängen. „Ja, und meistens irrt man nur ziellos umher“, sagst du. Der Bass der Rockband von der Bühne gegenüber vermischt sich mit dem elektronischen dap-dap-dadadadap vom Rave und einem Hiphop-Sound aus einer Box, bei der sich irgendein Barbetreiber dachte, dass es nicht schaden kann, die auch noch auf volle Lautstärke zu drehen.

Man stolpert jetzt schon über die ganzen leeren Glasflaschen, die überall herumliegen. Ein paar Personen in zerschlissenen Klamotten laufen umher und fragen nach Geld, sie werden von den meisten feiernden Leuten in auf andere Art zerschlissenen Klamotten ausgeblendet. Politisch sind hier nur die Pali-Tücher, die ab und zu in der Menge auftauchen.

Wasser von oben

An der Admiralsbrücke soll es ganz schön sein, erzählen unsere Freunde, die wir im Getümmel tatsächlich finden. Wir entscheiden uns lieber für Schlangestehen für ein zweites gekühltes Bier am Späti. Und für die nächste Station: ein paar Freunde, die ganz in der Nähe in ihrem Studio in der Forster Straße Musik machen. Selbst hier in der Seitenstraße ist es voll, im Studio schwitzen Musiker und Publikum zu jazzigem Indie und wenig später zu systemkritischem Punk. Weil die „Sterbehilfe für die Herrschaft“ noch ganz am Anfang steht, gibt es davon nur drei Songs. Aber die werden maximal abgefeiert.

Die Sonne geht langsam unter, gleich soll es noch ein paar DJ-Sets geben. „Ich brauche unbedingt was zu essen“, sagst du. Und da es vor Ort nur noch Aperol gibt, holen wir uns kurz Schawarma bei Nachtigall gegenüber.

Als wir zurückkommen, haben wir den „Höhepunkt“ der Party verpasst. Drei Wannen parken mitten in der Straße, mindestens ein Dutzend Bullen stehen auf dem Gehweg, wo kurz davor das DJ-Pult aufgestellt worden war. Eine Freundin diskutiert mit einem jungen Mann in Uniform. Eine weitere junge Polizistin erklärt der Organisatorin des Ganzen, dass sie ihren Job „nicht erst seit gestern“ mache. Wir erfahren, dass während des Sets ein Nachbar das Fenster geöffnet haben soll und unangekündigt gefühlt eine Badewanne Wasser von oben über DJ, Controller und Anlage gekippt hat. Man habe also die Polizei anrufen müssen und die bestünde nun darauf, dass die Veranstaltung aufgelöst werden muss. Denn: Es ist nach 22 Uhr. Schlafenszeit in Kreuzberg seit Neustem.

Es herrscht trotzdem noch eine ganze Weile ganz viel Aufregung, Musik gibt es aber keine mehr. Und dann erklärt uns ein Polizist noch, dass es für Fußballspiele eine Ausnahmeregel gebe, aber für Musik eben nicht, wir sollen jetzt bitte alle den Ort verlassen. Die Fête de la Musique ist offiziell beendet. Ist ja auch schon spät. Und Kreuzberger Nächte sind schon lange nicht mehr lang.

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