„Russland“ und „Nicht-Russland“

Geografielektionen auf Twitter

Das kanadische Nato-Twitterkonto hat Russland belehrt, was zum Land gehört und was nicht – nämlich die Ukraine samt Krim. Im Netz gibt es nun einen Krieg der Worte.

Anstößige Karte: Wem gehört die Krim? Tabelle: twitter.com/CanadaNATO

TORONTO ap | Angefangen hat alles mit einer Kurznachricht auf Kanadas Nato-Twitter-Konto, als nicht gerade freundlich gemeinte Nachhilfe für Russland: eine Landkarte, die neben Russland das Nachbarland „Nicht-Russland“ verzeichnet – die Ukraine. Das lief mit dem sarkastischen Kommentar, Geografie sei ja nicht leicht: „Hier ist ein Reiseführer für russische Soldaten, die sich immer wieder verirren und 'versehentlich' in die Ukraine eindringen.“

Das reichte für einen Krieg der Worte auf dem Kurznachrichtendienst. Der ursprüngliche Tweet verbreitete sich in Windeseile und wurde bis zum späten Donnerstagabend 25.000 Mal retweetet. Auch die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Samantha Power, leitete den Link an ihre Abonnenten weiter.

Dann schlug Russland im Cyberspace elektronisch zurück: mit einer eigenen Landkarte, gepostet von der russischen Mission bei der Nato. Sie zeigt die Halbinsel Krim im Schwarzen Meer als russisches Territorium – obwohl die Annexion des bis dato ukrainischen Gebiets durch Moskau im März international nicht anerkannt wird. Darüber steht der Kommentar: „Wir helfen unseren kanadischen Freunden gerne, sich mit der heutigen Geografie vertraut zu machen.“

Das kanadische Außenministerium kommentiert die Twitter-Auseinandersetzung einigermaßen gelassen. „Es ist wichtig, diesen Austausch vor dem Hintergrund der derzeitigen Ereignisse zu sehen“, sagt Sprecher Rick Roth. „Der ursprüngliche Tweet entstand vor dem Hintergrund, dass russisches Militärpersonal auf dem Boden der souveränen Ukraine gefunden wurde und behauptete, es habe sich verirrt. Das glaubt niemand.“

Tatsächlich haben sich die Vorwürfe gegen Russland seit der Festnahme eines versprengten Trupps russischer Soldaten zu Wochenbeginn erheblich verschärft. Moskau versichert nach wie vor, diese zehn Armeeangehörigen seien die einzigen auf dem Gebiet der Ukraine gewesen. Die Nato geht hingegen von mehr als 1000 russischen Soldaten im Nachbarland aus, die auch in Kämpfe verwickelt seien. Der Nationale Sicherheitsrat der Ukraine berichtet von russischen Panzerkolonnen, die über die Grenze in den äußersten Südosten der Ukraine eingedrungen seien.

Einmal zahlen
.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben