Russisches Onlineportal „newsru.com“: Freie Presse verschwindet

In Russland wird das nächste unabhängige Medium eingestellt. Diesmal trifft es das Onlineportal „newsru.com“.

Strassenszene: eine Frau hält eine ukrainische Zeitung in der Hand

Simferopol 2014: Die Schlagzeile der Gratiszeitung lautet „Die Krim entscheidet sich für Russland“ Foto: Vasily Fedosenko/reuters

In Russland geht das Mediensterben weiter. Am Montag kündigte die Redaktion des Onlineportals newsru.com an, ihre Tätigkeit mit sofortiger Wirkung einzustellen. Die Gründe dafür seien ökonomische Schwierigkeiten, die jedoch von der politischen Situation im Lande verursacht worden seien, heißt es in einer Art Abschiedsschreiben auf der Webseite von newsru.com.

Ab 2014 sei klar geworden, dass sich nicht nur Geografie und Außenpolitik, sondern auch Russlands inländische Wirtschaft grundlegend verändert hätten. Die täglichen Bilder von newsru.com hätten sich immer stärker von den Bildern staatlicher Informationsquellen unterschieden. Immer mehr wichtige Anzeigenkunden hätten ihre Zusammenarbeit aufgekündigt, die letzten von ihnen hätten in diesem Jahr das Weite gesucht, schreibt die Redaktion weiter.

Im März 2014 hatte Russland völkerrechtswidrig die Krim annektiert, wenige Monate später begannen in der Ostukraine bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen der ukrainischen Armee und prorussischen Kämpfern. Der Konflikt hat bislang rund 13.200 Tote gefordert.

Vor allem in diesem Jahr hatten die Behörden den Druck auf unabhängige Medien weiter erhöht. Ein Hebel dafür ist das mehrfach verschärfte Gesetz über sogenannte ausländische Agenten – das heißt Organisationen, die aus dem Ausland finanziert werden. Auch mehrere Nachrichtendienste, wie verschiedene Sparten von Radio Freies Europa und „Current Time“ sind dieser Vorschrift zum Opfer gefallen.

Markiert als „ausländische Agenten“

Auch newsru.com rechnete offenbar mit einem ähnlichen Schicksal. So seien auch sie gezwungen gewesen, ehrenwerte Leute und vertrauenswürdige Quellen als „Agenten“ und „Extremisten“ zu markieren. Unter diesen Bedingungen sei hochqualifizierte Arbeit nicht mehr möglich, schreibt die Redaktion.

Newsru.com war 2000 als Produkt des TV-Senders NTW gestartet, fast zeitgleich mit dem Amtsantritt von Wladimir Putin. Ein Jahr später wurde newsru.com Teil der Holding Gazprom Media, blieb aber unter der Ägide des Medienmoguls Wladimir Gussinski. Der verließ Russland, nachdem er bei Putin in Ungnade gefallen war. Heute lebt er im israelischen Exil. Im März 2017 stellte der ukrainische Ableger von newsru.com seine Tätigkeit ein. Zuletzt hatte das Portal monatlich drei Mil­lio­nen Besucher*innen.

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