: Russischer Streit über Atom-Deal mit dem Iran
■ Atomkontrolleur fordert Verzicht auf das umstrittene Geschäft
Moskau (AP/dpa/AFP) – Der Deal ist jetzt selbst in der russischen Regierung umstritten: Zwei hohe Moskauer Beamte lieferten sich am Wochenende einen öffentlichen Streit, ob Rußland mehrere Atomreaktoren und eine Uran- Anreicherungsanlage an den Iran verkaufen soll. Der Direktor des Staatskomitees zur Überwachung der Atomanlagen, Juri Wischnewski, erklärte, er habe Präsident Boris Jelzin und anderen Regierungsmitgliedern seine Bedenken gegen den geplanten Verkauf der Atomtechnologie mitgeteilt, aber offenbar ohne Erfolg. Das russische Atomenergieministerium hielt öffentlich dagegen: Noch seien mit der Regierung in Teheran keine Verträge unterzeichnet worden, sagte der Sprecher des Atomministeriums Georgi Kawrow.
Vor allem die Lieferung einer Gaszentrifuge hatte die Besorgnis der USA hervorgerufen. Denn mit diesem Gerät kann gasförmiges Uran in seine Bestandteile zerlegt werden – zum einen in schweres, nutzloses Uran 238, zum anderen in Uran 235, mit dem sich eine Uranbombe herstellen läßt (siehe taz vom 5. 5.). Um dies zu verhindern, versuchen die USA zur Zeit, Rußland vom Verkauf von Atomtechnologie an den Iran abzubringen, da sie Teheran verdächtigen, ein Atomwaffenarsenal aufbauen zu wollen.
Moskau besteht trotz der US- Bedenken auf dem Atomgeschäft. Ein hochrangiger Vertreter des russischen Außenministeriums deutete jedoch gegenüber Interfax an, daß man auf die Ausbildung iranischer Atomtechniker verzichten könnte, um den Amerikanern entgegenzukommen.
Die Agentur zitierte den Beamten mit der Bemerkung, die amerikanische Außenpolitik habe schon immer einen Buhmann gebraucht: „Zuerst war es die UdSSR, dann Libyen, dann Irak und nun spielt Iran die Rolle des ,bösen Buben‘ in der amerikanischen Außenpolitik.“
Präsident Jelzin ließ am Samstag erklären, er habe dem Verkauf der Gaszentrifuge noch nicht zugestimmt. Sofern das Geschäft Bestimmungen der Internationalen Atomenergieorganisation zuwiderlaufe, werde er es annullieren.
Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 90 Freiwillige, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen