piwik no script img

Russische Atomkraft in NiedersachsenAtom-Anlage in Möbellager versteckt?

Anti-AKW-Initiativen decken nach eigenen Angaben Ort auf, wo Rosatom heimlich Maschinen aufgestellt habe. Das wäre laut Initiativen illegal.

Reimar Paul

Aus Göttingen

Reimar Paul

Es wäre ein Coup: Atom­kraft­geg­ne­r:in­nen haben nach eigenen Angaben den Ort in Lingen entdeckt, an dem der russische Atomkonzern Rosatom heimlich und ohne Genehmigung errichtete Maschinen zur Produktion von AKW-Brennelementen versteckt hat. Es handele sich um ein ehemaliges Möbellager im Gewerbegebiet der niedersächsischen Stadt, teilten die Anti-Atom-Organisation „.ausgestrahlt“ und das „Bündnis AgiEL – Atom­kraft­geg­ne­r:in­nen im Emsland“ am Donnerstag mit.

Nach ihren Informationen, die auf Hinweisen aus der Bevölkerung und eigenen Recherchen beruhen, stehen die Anlagen in einer angemieteten Halle von Framatome-ANF, dem Betreiber der Brennelementefabrik. Die Ak­ti­vis­t:in­nen platzierten dort am Mittag ein großes Hinweisschild mit der Aufschrift „Putins geheime Atom-Maschinen“.

„Wochenlang hat Framatome-ANF den Standort seiner geheimen Außenstelle verschwiegen“, sagt Alexander Vent vom Bündnis AgiEL. „Wir machen ihn heute öffentlich.“

Framatome-ANF ließ eine Anfrage der taz zu dem Vorgang zunächst unbeantwortet. Das Unternehmen hat beim Land Niedersachsen die Erweiterung der Produktion beantragt und will künftig auch Brennstäbe fertigen, die in AKWs russischer beziehungsweise sowjetischer Bauart eingesetzt werden können.

Der Deal mit Rosatom ist umstritten

Vent verweist darauf, dass es mehr als 10.000 Einwendungen gegen den geplanten Atom-Deal mit Russland gebe. „Die Öffentlichkeit soll daher wissen, wo Putins geheime Atom-Maschinen getestet werden. Die Öffentlichkeit soll wissen, wo die Abgesandten des Kreml in aller Ruhe Kontakte zu den Mitarbeitenden von ANF knüpfen durften.“

Die Ak­ti­vis­t:in­nen sehen Rosatom als „ein Werkzeug des Kreml“. Das Staatsunternehmen bündele alle nuklearen Aktivitäten des Landes, vom Uranabbau bis zu den Atomwaffen, und sei aktiv am Krieg gegen die Ukraine beteiligt, etwa durch die Besetzung des AKW Saporischschja.

Den vermuteten Aufbau der neuen Maschinen durch Spezialisten und die Schulung deutscher Mitarbeitender durch Rosatom halten die Initiativen nicht nur für illegal, sondern auch für eine Sicherheitsgefahr, weil sie die Grundlage für Spionage und Sabotage lege. „Das Umweltministerium darf sich nicht länger wegducken, sondern muss endlich klare Kante zeigen“, fordern sie.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

7 Kommentare

 / 
  • Sonntagssegler

    Ich verstehe das nicht. Das Aomgesetz vebietet vermutlich den ungenehmigten Betrieb von Atimanlagen, aber noch nicht das Aufstellen von Maschinen (und das Trocken-Üben daran), selbst wenn sich damit später mal eine Atomanaage betreiben ließe.

    Ich bin ja auch kein Atomfreund, aber irgendwie wirkt der Skandal schon sehr gewollt.

  • Britzer

    Den vermuteten Aufbau der neuen Maschinen durch Spezialisten und die Schulung deutscher Mitarbeitender durch Rosatom halten die Initiativen nicht nur für illegal, sondern auch für eine Sicherheitsgefahr, weil sie die Grundlage für Spionage und Sabotage lege.

    Naja, dafür gibt es wohl Verträge, ein Joint Venture zwischen Rosatom und dem französischen Betreiber der Anlage wurde gegründet, um dort Brennelemente für Reaktoren russischem Typs herzustellen. Bisher müssen diese immer noch direkt in Russland gekauft werden. Das ist also ein know-how Transfer von Rosatom in den Westen und keine Spionage oder Sabotage. Das Ziel ist eine Lizenzfertigung um unabhängiger zu werden.

    Der Atombereich ist von Sanktionen ausgenommen, da er EU weit nicht durchgesetzt werden konnte. Die Reaktoren in einigen Ländern würden sonst kein Strom mehr produzieren können (z.B. Finnland, Tschechien, Baltikum, …).

  • Waagschale

    Mein Dank und meine Hoachchtung diesen Atom­kraft­geg­ne­r:in­nen.

    Die Wirklichkeit ist manchmal wirklich seltsamer als die Fiktion.

  • Bird

    Das klingt wie bei „Mit Schirm, Charme und Melone“

  • Friderike Graebert

    ist schon seltsam, dass der gesamte Atombereich von den Sanktionen ausgenommen ist.....

  • pablo

    Hauptsache der Rubel rollt.

    • Perkele

      @pablo:

      Yeah!!! THAT's the spitit!!!