Rückzug aus eroberter Stadt in DR Kongo: Rebellen stellen Regierung auf die Probe
Kongos M23-Rebellen ziehen sich aus dem frisch eroberten Uvira zurück und verlangen eine „neutrale“ Präsenz. Stattdessen kommen plündernde Milizen.
Fünf Wochen nachdem Rebellen im Osten der Demokratischen Republik Kongo die strategisch wichtige Großstadt Uvira eroberten, ziehen sie sich offenbar wieder zurück. Kongolesische Medien bestätigten am Wochenende eine entsprechende Ankündigung der Rebellenkoalition AFC/M23 (Allianz des Kongo-Flusses/Bewegung des 23. März). Als Zeichen des guten Willens wolle man Uvira einer „neutralen Kraft“ übergeben, schrieben die Rebellen am Samstag und betonten, ab jetzt sei die „internationale Gemeinschaft“ für die Sicherheit in Uvira verantwortlich.
Uvira war der wichtigste Stützpunkt der Regierung in der ostkongolesischen Provinz Südkivu gewesen, seit die Provinzhauptstadt Bukavu im Februar 2025 an die von Ruanda unterstützten M23-Rebellen gefallen war. Um möglichen Angriffen zuvorzukommen, hatten die M23 am 10. Dezember 2025 Uvira besetzt. Sie übernahmen damit auch den zweitwichtigsten Handelshafen der DR Kongo und schnitten die Versorgungswege aus Burundi zu den in Südkivu kämpfenden burundischen Eingreiftruppen auf Regierungsseite ab.
Nach massiver Kritik auch seitens der USA kündigte die M23 zehn Tage später einen Abzug aus Uvira an. Die Stadt blieb aber offenbar weiter unter Rebellenkontrolle. Nach M23-Darstellung hat am Samstag die letzte verbleibende „Überwachungseinheit“ aus 200 Kämpfern Uvira verlassen.
Die Rebellen warnten vor einer Rückkehr irregulärer Milizen nach Uvira, das bis Dezember eine Hochburg der paramilitärischen Wazalendo (Patrioten) gewesen war, ein Sammelbegriff für lokale ethnische Milizen auf Regierungsseite. Genau dies scheint aber der Fall zu sein. Journalisten verbreiteten am Sonntag Videos, die den Einzug von Wazalendo-Milizen in Uvira zeigen sollen. Nach lokalen Medienberichten plündern diese Milizen, es wird auf den Straßen geschossen. Sonntagsgottesdienste wurden abgesagt, auch in der Kathedrale von Uvira. Von gezielten Angriffen auf Tutsi wurde berichtet.
Steilvorlage für erneute Einnahme von Uvira
Ein Sicherheitsvakuum in Uvira würde den Rebellen eine Steilvorlage bieten, die Stadt erneut einzunehmen und zu erklären, man müsse die Bewohner vor kriminellen Banden schützen. Die M23 sprach bereits am Sonntagnachmittag von „Terror gegen eine schutzlose Bevölkerung“, wogegen ein Einschreiten nötig sei. Die von der M23 geforderte neutrale internationale Präsenz steht in Südkivu seit dem Abzug der UN-Mission Monusco im Jahr 2024 kurzfristig nicht mehr zur Verfügung.
Kongos Armee war bis zum Nachmittag nicht in Uvira zu sehen. Die Rebellen stünden weiter auf den Hügeln rings um die Stadt, erklärte Südkivus Provinzgouverneur Jean-Jacques Purusi.
Im Umland sind die Rebellen auf jeden Fall weiter präsent. Die Tutsi-Rebellenarmee Twirwaneho, die ebenso wie die M23 zur Rebellenkoalition AFC gehört, kontrolliert das von Tutsi besiedelte Hochland südwestlich der Stadt. In den vergangenen Tagen tobten dort schwere Kämpfe um den Verkehrsknotenpunkt „Point Zero“. Dessen Kontrolle würde den Rebellen den Weg nach Fizi öffnen, der südlichsten Stadt von Südkivu. Von dort aus stünde der Weg in die Provinz Tanganyika offen, die mineralienreiche Heimatprovinz von Kongos Expräsident Joseph Kabila, der die Rebellen unterstützt.
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