Rückschlag für Berliner Museen: Das Ende der Rieck-Hallen

Der ausgelaufene Mietvertrag wurde nicht verlängert. Die Friedrich Christian Flick Collection verlässt Berlin.

Roman Signer mit „Helikopter mit Spraydose (1997)“ beim Aufbau seiner Schau in den Rieck-Hallen Foto: Stephanie Pilick/dpa

Lange schon war es Gesprächsthema: das drohende Ende der Sammlung Flick in Berlin. Jetzt ist es amtlich. Am Freitag landete sie im Verteiler, die Presseerklärung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK), die besagte, dass der Vertrag mit der Friedrich Christian Flick Collection im September 2021 auslaufe. Sang- und klanglos endet damit eine der umstrittensten Aktionen, den Kunststandort Berlin zu stärken und im Bereich der zeitgenössischen Kunst international konkurrenzfähig zu machen.

Als die SPK im Jahr 2003 einen siebenjährigen Leihvertrag mit Friedrich Christian Flicks Kunstholding Contemporary Art Limited (CAL) abschloss, die auf der als Steueroase berühmten Kanalinsel Guernsey beheimatet ist, sollte seine Kunstsammlung am Standort Hamburger Bahnhof präsentiert werden.

Dazu wurden auf Kosten von CAL die hinter dem Museum für Gegenwart gelegenen Rieck-Hallen hergerichtet. Sie standen auf einem bundeseigenen Grundstück, das der Bund 2007 an eine österreichische Immobiliengesellschaft verkaufte, die nun entschied, die Rieck-Hallen abzureißen, um dort neu zu bauen.

Umstrittene Sammlung

Umstritten war die Sammlung Flick, weil der Sammler mit der Leihgabe seinen Familiennamen „auf eine neue und dauerhaft positive Ebene stellen“ zu können glaubte und zugleich ablehnte, sich am Entschädigungsfonds für Zwangsarbeiter zu beteiligen.

Mit Zwangsarbeit hatte der Konzern in der NS-Zeit viel Geld verdient. Diese Kalkulation ging nicht auf. Friedrich Christian Flick zahlte schließlich in den Fonds ein. Und er gründete die F. C. Flick Stiftung gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Intoleranz.

So skeptisch man der Kunstsammlung erst einmal entgegenschaute – war doch nichts über sie bekannt –, so angenehm war man von ihrer Qualität überrascht, als sie in Berlin der Öffentlichkeit präsentiert wurde.

Grund, den Weggang zu bedauern

Insofern haben die Stiftung Preußischer Kulturbesitz und die Staatlichen Museen zu Berlin allen Grund, den Weggang zu bedauern. Und sie müssen sich fragen lassen, warum sie dem nicht rechtzeitig entgegensteuern konnten.

Dank zweier großzügiger Schenkungen von Friedrich Christian Flick bleiben aber 268 wichtige Werke der zeitgenössischen Kunst in Berlin, Werke von Stan Douglas, Candida Höfer, Paul McCarthy, Pipilotti Rist, Dana Thater und Franz West, um nur einige zu nennen.

Die ein bis drei jährlichen Ausstellungen, die mit Werken aus der Friedrich Christian Flick Collection erarbeitet wurden, waren qualitätvoll und anregend, auch wenn Präsentation und Szenografie nicht immer begeisterten. Hervorzuheben sind Ausstellungen zu Wolfgang Tillmans, Bruce Nauman, Roman Singer und Martin Kippenberger.

Wunsch, die Zusammenarbeit fortzuführen

Aufschlussreich waren auch thematische Präsentationen zur Kunst seit den 1960er Jahren, etwa zur Minimal Art wie die Ausstellung „Fast nichts“ oder die Ausstellung „Jenseits des Kinos“ zur Videokunst und zum Film in der zeitgenössischen Kunst.

Für den Sommer 2020 wird gerade die Sammlungspräsentation „Magical Soup“ mit Arbeiten der Medienkunst vorbereitet. Sie wird, so ist zu hoffen, wenn auch erschwerten Bedingungen, dennoch zugänglich sein. Michael Eissenhauer, Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin, betont das Verhältnis zum Sammler sei weiterhin gut. Man habe vereinbart, weiterhin in Kontakt zu bleiben und die erfolgreiche Zusammenarbeit in anderer Form fortzuführen.

Vielleicht ist dieser Abschied, dessen Tragweite noch gar nicht absehbar ist, der notwendige Paukenschlag, die zentrale Rolle der Sorge um die Bestände der Berliner Museen anzuerkennen.

Einmal zahlen
.

Fehler im Text entdeckt? Wir freuen uns über einen Hinweis!

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de