: Rotbrigadenchef frei
■ Mario Moretti, der Mörder Aldo Moros, kommt nach 17 Jahren aus dem Gefängnis
Rom (taz) – Neuer Schritt zur endgültigen Abwicklung der „bleiernen Jahre“ des italienischen Terrorismus: Mario Moretti, ehemals Chef der römischen Kolonne der Roten Brigaden, darf von nun ab den ganzen Tag außerhalb des Gefängnisses verbringen; in einem halben Jahr, wenn die vorgeschriebenen 17 Mindestjahre für „lebenslänglich“ ganz vorüber sind, soll er endgültig freikommen.
Moretti war 1983 zur Höchststrafe verurteilt worden, weil er nach Ansicht der Gerichte 1978 die Entführung Aldo Moros geplant, mit durchgeführt und Moro schließlich höchstpersönlich erschossen hatte. Moretti hat vor Gericht niemals zur Tat selbst ausgesagt, allerdings hat er Ende der 80er Jahre erklärt, der „bewaffnete Kampf“ sei beendet und verloren.
Die Hinterbliebenen der Opfer – auch Moros Leibwächter und der Fahrer waren ermordet worden – zeigen kein Verständnis für die Freilassung Morettis, obwohl sie bei anderen Rotbrigadisten für eine Begnadigung eintraten. Die allerdings hatten sich damals bereits vom Terrorismus gelöst.
Doch auch viele Terrorismus- und Geheimdienstexperten haben Vorbehalte: Für sie ist der Mann möglicherweise ein Infiltrant der Polizei gewesen. Schließlich hatten diese sich enorme Fahndungspannen insbesondere dann geleistet, wenn es Hinweise auf Morettis Verstecke gab.
Doch auch die CIA wie der israelische Mossad stehen im Verdacht, Moretti als Agenten plaziert zu haben, der am Ende für Moros Tod sorgte. USA und Israel lagen mit Moro wegen dessen araberfreundlicher Haltung im Dauerclinch, speziell nachdem Moro heimlich einige Palästinenser hatte ausfliegen lassen, die Attentate gegen jüdische Einrichtungen in Italien geplant oder durchgeführt hatten. Die Waffen jedenfalls, die Moretti angeblich stets bei den Palästinensern abholte, wurden nachweislich im Südlibanon übergeben. Und der war damals nahezu lückenlos von den Israelis kontrolliert. Werner Raith
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