Rolf Zacher ist tot

Ein Leben im Luxus und im Knast

Niemand verkörperte Gauner, Spieler und Verlierer so glaubhaft wie Rolf Zacher. Nun ist der 76-Jährige in einem Pflegeheim gestorben.

ein Mann lehnt an einer Säule

Rolf Zacher im Juni 2010 Foto: dpa

Rolf Zacher war Rock ’n’ Roll. Nicht wie sein Altersgenosse Peter Kraus, der eine bundesrepublikanisch-österreichische, abwaschbare Variante des Rock ’n’ Roll repräsentierte. Sondern richtig. Mit Sex, Drogen, Alkohol und dem Preis, den jeder entrichten muss, der als Kerze an beiden Enden brennen will. Zumal in Deutschland.

Aufgewachsen ist Rolf-Dieter Zacher als Flüchtlingskind in Brandenburg. Er machte eine Lehre zum Konditor und schlug sich in Berlin als Barkeeper, Musiker und Tänzer durch – unter anderem tatsächlich als Rock-’n’-Roll-Tänzer, und zwar in den Bordellen des Rolf Eden. Erstmals auf der Bühne stand er als Jugendlicher in einer Schöneberger Laienspielgruppe, in Wolfgang Borcherts Nachkriegsdrama „Draußen vor der Tür“. Dort sollte er in gewisser Weise zeitlebens bleiben.

Erste echte Rollen vermittelte ihm der Regisseur Peter Lilienthal, dem Zacher zufällig auf der Straße aufgefallen war. Im Interview mit der taz erinnerte sich Zacher später, wie er mal einen Monolog halten sollte: „Lilienthal sagt, alles super, aber bitte nur die Hälfte davon. Ich rege mich furchtbar auf, gebe klein bei, und wieder heißt es, super, und jetzt noch mal nur die Hälfte. So habe ich Handwerk gelernt.“

Die 1960er Jahre erlebte Zacher in München, genauer gesagt in der Künstlerszene von Schwabing. 1966 stand er für die deutsch-französische Produktion „Lautlose Waffen“ mit Montgomery Clift und Hardy Krüger vor der Kamera. Von seiner Gage kaufte er sich einen Porsche, mit dem er einen verheerenden Unfall baute. Mit Morphium war den chronischen Rückenschmerzen nicht beizukommen, Heroin aber half.

Stimme von Nicholas Cage und Robert de Niro

In den folgenden Jahren ging es, gebremst nur von der teuren und zehrenden Sucht, mit der Karriere stetig bergauf. Als Gastsänger trat er mit der experimentellen Krautrock-Band Amon Düül II auf und wirkte in insgesamt 250 Film- oder Fernsehproduktionen mit, wobei er bei der Auswahl seiner Rollen nicht wählerisch sein konnte. In Familienfilmen war er ebenso zu sehen wie in „Tatort“-Folgen, in Fassbinders „Berlin, Alexanderplatz“ ebenso wie an der Seite von Manfred Krug in der Lkw-Fahrer-Serie „Auf Achse“ oder in der Serie „Büro, Büro“.

Und immer spielte Zacher dabei den Typen, der Lilienthal damals auf der Straße aufgefallen und der er selbst wohl wirklich war: ein liebenswerter Gauner, trauriger Spieler, geprügelter Hund. Sein künstlerischer Durchbruch gelang ihm 1980 als Häftling im Spielfilm „Endstation Freiheit“. Das breite Publikum war bald auch mit seiner Stimme bestens vertraut, denn die lieh der Charaktermime als Synchronsprecher den Hollywoodgrößen Nicholas Cage und Robert de Niro.

Zacher lebte mal im Wohnmobil, mal im Luxushotel, mal im Knast. Aber immer gerne. Geld war für ihn dazu da, aus dem Fenster geworfen zu werden. Zuletzt schaffte er es, bereits an Demenz erkrankt, tatsächlich würdevoll durch das RTL-„Dschungelcamp“. Am Samstag ist er im Alter von 76 Jahren in einem Pflegeheim gestorben.

.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben