Robert-Koch-Institut zu Bundesliga-Plänen: Kritik an Coronatests für Fußballer

Dämpfer für Bundesliga-Pläne: Die knappen Coronatests sollten nur eingesetzt werden, wo es medizinisch sinnvoll ist, meint das Robert-Koch-Institut.

Ein Spieler tritt in einem leeren Stadion eine Ecke.

Testen und weiter geht's? Geisterspiele gab es schon mal, Gladbach gegen Köln am 11. März Foto: Roland Weihrauch/dpa

BERLIN taz | Wenn es nach der deutschen Bundesliga geht, soll der Ball bald wieder rollen – zwar ohne Zuschauer, aber wenigstens in Form von Geisterspielen. Um das zu ermöglichen, müssten aber die Spieler und alle Personen, die eng mit ihnen zusammenarbeiten, regelmäßig auf das Coronavirus getestet werden. Erforderlich wären Schätzungen zufolge mehrere tausend Tests pro Woche.

Doch dieses Vorhaben lehnt das staatliche Robert-Koch-Institut ab. Zunächst antwortete Vizepräsident Lars Schaade noch ausweichend auf diese „schwierige Frage“ (Schaade) der taz: „Ich denke, man sollte die Tests dort anwenden, wo sie medizinisch notwendig sind“, sagte er am Dienstag. Später wurde er dann doch noch deutlicher: „Ich sehe nicht, warum bestimmte Bevölkerungsgruppen, ob die nun Sportler sind – man kann sich ja auch alles andere ausdenken, was möglicherweise ein gewisses gesellschaftliches Interesse hat –, warum die routinemäßig gescreent werden sollen.“

Die technische Laborkapazität in Deutschland lag nach Angaben des Gesundheitsministeriums zuletzt bei gut 700.000 Corona-Tests pro Woche. Tatsächlich durchgeführt wurden aber nur etwa halb so viele. Als Grund dafür war im internen Lagebericht der Bundesregierung angeführt worden, dass etwa die Hälfte der Labore von einer Knappheit der notwendigen Chemikalien berichtet hatte. Zudem fehlt es offenbar teilweise am nötigen Personal.

Prof. Dr. Lars Schaade vom Robert-Koch-Institut Foto: Bernd von Jutrczenka/reuters

Doch selbst wenn die Kapazität voll ausgeschöpft würde, wäre das nach Ansicht des RKI-Vizepräsidenten noch nicht ausreichend. So sei es „sinnvoll, in Krankenhäusern und Alteneinrichtungen Screening-Untersuchungen durchzuführen“, sagte Schaade. Um das zusätzlich zu Tests für alle Personen mit Atemwegserkrankugen und die Kontaktpersonen von Infizierten umsetzen zu können, seien mehr als eine Million Tests pro Woche erforderlich.

Grüne: Pläne „unverantwortlich“

Ein konkretes Datum für die Wiederaufnahme des Bundesliga-Betriebs gibt es bisher nicht. Die Ministerpräsidenten Markus Söder (Bayern/CSU) und Armin Laschet (NRW/CDU) hatten zuvor den 9. Mai als Möglichkeit ins Gespräch gebracht. Söder hatte dazu gesagt, es sei notwendig, dass dies in Zusammenarbeit mit dem Robert-Koch-Institut geschehe.

Kritik an den Plänen, die Bundesligaspieler und ihre Kontaktpersonen regelmäßig zu testen, kam auch von der sportpolitischen Sprecherin der Grünen Monika Lazar. Es dürfe „auf keinen Fall zu der Situation kommen, dass Schnelltests, die anderswo medizinisch notwendig sind, Profifußballern vorbehalten werden, um das Produkt Bundesliga am Leben zu halten“, sagte sie dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Das wäre unverantwortlich.“

Auch der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach übte Kritik an der geplanten Aufnahme des Spielbetriebs. „Die Bundesliga würde mehrere zehntausend Tests verbrauchen, die in Pflegeeinrichtungen und Schulen fehlen“, schrieb er auf Twitter. „Dazu würden Fantreffen Infektionsketten anstoßen.“

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