Hans-Hermann Hirschelmann
Konkurrenz fördert oder zerstört Qualität. Weil das so ist, gibt es Gewerkschaften und andere Anti-Dumping Institutionen und Maßnahmen einschließlich der Verbraucheraufklärung. Unsinn ist lediglich die Behauptung, dass sie "natürlich" das eine oder andere bewirkt. Wenn auch kluge Kapitalismusgegner ein ums andere Mal behaupten, dass im Kapitalismus Gebrauchswerte bzw. "qualitatives Wachstum" nicht zählen, ist es kein Wunder, dass "neoliberale" Homo Ökonomicus Phantasien solch eine verführerische Kraft entfalten konnten. Schon weil die Verallgemeinerung von Produktivitätsfortschritten die Produkte ökonomisch entwertet, müssen einzelne Unternehmen dem Verfall ihrer Profitrate entgegenwirken. Das nötigt sie zur Ausweitung ihrer Profitmasse durch Ausweitung ihrer Marktanteile (wenn nicht mittels allgemeiner Ausweitung von Märkten), aber auch dazu, die von ihnen produzieren Waren zumindest vorübergehend zu einem überdurchschnittlich profitablen Preis verkaufen zu können, indem sie Qualitätsbedürfnisse erforschen, erfüllen oder sogar schaffen können. Was ich Sennet unterstellen möchte, (meine Verhältnisse sind leider nicht so, dass ich es schaffe, solche Wälzer selbst zu lesen), ist, dass er den Stolz auf (mit) produzierte Qualität als Moment der Ententfremdung oder Mitmenschwerdung (Mitmenschheitswerdung) wahrnimmt, also sieht, dass die "gute" Lebenswelt in der "bösen" Systemwelt präsent ist. Sollte ich mit dieser Einschätzung richtig liegen, wäre eine über die soziale Ohnmacht kapitalistischer Konkurrenzbedingungen (und also Qualitätsbestimmungs-, Herstellungs- und Aneignungsbedingungen) hinausweisende Perspektive der Ermächtigung zur sozialen (und ökologisch reflektierten) Steuerung menschlicher Behauptungsverhältnisse ein guter Anknüpfungspunkt.
Gruß hhirschel
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