Reform für Datenschutzrecht: Hacker wollen Geld

Der Chaos Computer Club fordert auf seinem Kongress, die Opfer von Datenmissbrauch besser zu entschädigen.

Firmen sollen gezwungen werden, stärker auf den Datenschutz zu achten. Bild: ap

BERLIN taz Bessere Entschädigungen für die Opfer von Datenmissbrauch haben Experten auf dem 25. Kongress der deutschen Hackervereinigung Chaos Computer Club (CCC) in Berlin gefordert. Wenn Datensätze in falsche Hände gerieten wie zuletzt etwa bei der Deutschen Telekom oder der Landesbank Berlin, müssten die betroffenen Kunden direkt und unbürokratisch Geld erhalten, sagte CCC-Sprecherin Constanze Kurz beim Auftakt des Kongresses am Wochenende. Dazu sei eine umfassende Reform des Datenschutzrechts nötig. Nur so könne man Firmen zwingen, stärker auf den Datenschutz zu achten.

Noch bis Dienstag diskutieren Tausende von Computeraktivisten auf dem traditionellen Treffen über Themen wie Datensicherheit und staatliche Kontrolle. Die Jubiläumsveranstaltung steht stark im Zeichen des neuen Gesetzes zur Vorratsdatenspeicherung, das am 1. Januar in Kraft tritt. Die Veranstalter sehen darin eine "Kriminalisierung der Gesamtbevölkerung sondergleichen". Staatliche Behörden können nach richterlicher Genehmigung künftig erfahren, wer wann mit wem Mails ausgetauscht oder Internet-Telefonate geführt hat. Die Firmen sind verpflichtet, die Daten sechs Monate lang zu speichern.

Neben der Überwachung der heimischen Festplatte thematisieren die Experten aber auch Sicherheitsmängel mobiler Geräte. Zielscheibe der Kritik ist vor allem das als Wunderhandy gepriesene iPhone der Firma Apple. An dem Kongress nimmt auch eine Gruppe weltweit engagierter Junghacker teil, die bislang noch jedes Betriebssystem eines Mobiltelefons knackte, um es etwa in nicht zugelassenen Netzen zu verwenden oder mit beliebiger Software auszustatten.

In den Workshops und Vorträgen wird aber nicht nur beschrieben, wie der Staat überwachen will und wie Firmen Daten missbrauchen. Die Teilnehmer wollen auch Hilfe zur Selbsthilfe anbieten, etwa durch Verschlüsselungsmaßnahmen. Das zeigt, wie wichtig die Computerexperten inzwischen gesellschaftlich geworden sind. So lassen sich auch Bundestagsabgeordnete mittlerweile vom CCC beraten. Der Kongress ist im Vergleich zu den Vorjahren deutlich internationaler geworden. Hacker-Helden wie der Programmierer John Gilmore, der sich bereits in den frühen Tagen des Web gegen Zensur einsetzte, treffen auf Experten wie Dan Kaminsky, der kürzlich eine schwere Sicherheitslücke im Adresssystem des Internets aufdeckte.

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