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Rechte Hetze gegen NDR-Journalisten„Der Revolver ist geladen“

Die NPD will am Samstag in Hannover eine Kundgebung gegen einen NDR-Journalisten abhalten. Bis jetzt sind drei Gegenkundgebungen geplant.

Andreas Speit

Aus Hamburg

Andreas Speit

Rechtsextremist*innen, die gezielt gegen öffentlich-rechtliche Medien und einen Journalisten hetzen und sogar eine Demo dazu anmelden, das empfinden in Niedersachsen viele Menschen als krasse Grenzüberschreitung. Am kommenden Samstag planen mehrere Gewerkschaften und antifaschistische Initiativen gegen den angekündigten Marsch der NPD in Hannover verschiedene Aktionen. Es werden über 1.000 Gegendemonstranten erwartet.

Seit Wochen hetzt die rechtsextreme Partei im Netz gegen den freien Mitarbeiter des NDR, Julian Feldmann. Der Aufruf zur Kundgebung richtet sich explizit gegen ihn: „Feldmann in die Schranken weisen!“. Diese Bedrohung hat schon eine „neue Qualität“, sagt Feldmann, der auch für das NDR-Magazin „Panorama“ arbeitet.

Ein dort ausgestrahlter Bericht über den NS-Kriegsverbrecher Karl Münter aus dem niedersächsischen Nordstemmen hatte in der rechten Szene für Aufregung gesorgt. Feldmann hatte das Interview gemeinsam mit zwei Kollegen im November 2018 geführt. Der damals 96-Jährige Münter hatte darin den Holocaust relativiert und die Opfer eines SS-Massakers verhöhnt.

Die NPD und ihre Jugendorganisation „Junge Nationalisten“ behaupteten hinterher, Feldmann hätte Münter „mit merkwürdigen Fragen in ein Gespräch verwickelt“, ohne zu erwähnen, dass er Journalist sei und das Gespräch für das Fernsehen gedacht sei. Eine Lüge, wie die Pressekammer des Landgerichts Hamburg klarstellte.

Gestiegene Anfeindungen

Die Hetze gegen Feldmann geht unvermindert weiter. In Hannover hat die NPD neben dem Kopf der Partei „Die Rechte“, Sven Skoda, den rechten Youtuber Nikolai Nerling und den NPD-Bundesvize Thorsten Heise als Redner angekündigt. Im Juni dieses Jahres drohte Heise schon auf dem von ihm ausgerichteten Festival „Schild und Schwert“ in Feldmanns Richtung: „Der Revolver ist geladen.“

In Hannover sind bisher drei Gegenkundgebungen in der Südstadt angemeldet. Sie werden unter anderen vom Deutschen Gewerkschaftsbund, den „Omas gegen Rechts“ und der „Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union“ (DJU) getragen. Auf der Webseite des DJU findet sich auch der Aufruf „Schützt die Pressefreiheit“. Über 450 Einzelpersonen, 20 Verbände und 17 Redaktionen weisen in dem Aufruf auf gestiegene Anfeindungen und Bedrohungen von rechts hin.

Seit Jahren werden bundesweit immer wieder einzelne Journalist*innen bedroht – und auch körperlich angegangen. Mit dem Marsch sollen alle Journalist*innen eingeschüchtert werden. In ihrem Aufruf greift die NPD neben Feldmann auch David Janzen an. Dem Journalisten und Sprecher des Braunschweiger Bündnisses gegen Rechts ist schon im Internet mit Mord gedroht worden. Nicht ohne Folgen: Auf Janzens Privatwohnung gab es dieses Jahr mehrere Anschläge.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

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3 Kommentare

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  • Nenndorfer

    Sven Skoda (Die Rechte) ist uns auch in Bad Nenndorf als besonders "begabter" Redner und Aushilfseinpeitscher aufgefallen. Hier ein Video von 2015, dem letzten "Trauermarsch" der Atzen. Einige von denen wird man am Samstag in Hannover vielleicht wieder treffen?



    www.youtube.com/watch?v=RI5OeG7TnYE

  • marxscheEffizienz

    Ist auch hier Andreas Temme involviert? Oder was ist aus Andreas Temmes Verwicklung mit dem Lübke-Mord und dem NSU geworden?

  • RS
    Ria Sauter

    Das ist erlaubt?



    Ich bin fassungslos angesichts dieser "Toleranz" des rechten Sumpfes.