Rebellenführer kündigt Ausweitung des Krieges an: Im Kongo stehen die Zeichen auf Sturm

UN-Chef Doss fordert mehr Blauhelme, Rebellenführer Nkunda kündigt Ausweitung des Krieges auf das ganze Land an.

Laurent Nkunda will den Krieg im ganzen Land führen. Bild: dpa

BERLIN taz In der Demokratischen Republik Kongo rüsten sich alle Seiten für einen verstärkten Krieg. Der Chef der UN-Blauhelmmission im Kongo (Monuc), Alan Doss, forderte letzte Woche vor dem UN-Sicherheitsrat eine deutliche Aufstockung seiner Truppe, obwohl er schon die weltgrößte UN-Mission mit knapp 19.000 Mann leitet, und sprach von einem "Surge" nach dem Muster der jüngsten US-Offensiven im Irak. "Wir steuern auf einer potenziell sehr gefährliche Phase zu, die Spannungen wachsen, und wir wollen nicht, dass der Kongo zurück in einen Konflikt rutscht, der die Grenzen überquert", sagte der britische Diplomat in New York am vergangenen Freitag.

Ende August waren in der ostkongolesischen Provinz Nord-Kivu neue schwere Kämpfe zwischen Regierungstruppen und der Rebellenbewegung CNDP (Nationalkongress zur Verteidigung des Volkes) unter dem Tutsi-General Laurent Nkunda ausgebrochen. Die Regierungsarmee wird dabei von ethnischen Milizen unterstützt. Nord-Kivu zählt jetzt über 900.000 Kriegsflüchtlinge. Für den heutigen Dienstag hat die Provinzregierung zu einem Generalstreik mit Friedensgebeten aufgerufen.

"Ethnische Spannungen in Nord-Kivu haben zugenommen, und das ist zweifellos sehr gefährlich", sagte Doss. Über die Größenordnung der gewünschten Truppenverstärkung machte er keine Angaben. "Es geht auch um Qualität und Beweglichkeit in der Luft", sagte er.

Eine Rückkehr der Kriegsparteien Ostkongos zum Friedensprozess erscheint derzeit unwahrscheinlich. Nkundas Rebellenbewegung CNDP verkündete vielmehr Ende letzter Woche nach Abschluss eines Kongresses eine Ausweitung ihres Kampfes auf ganz Kongo. "Der CNDP lädt alle von der Regierung Enttäuschten ein, ihre Aktionen mit seinen zu synchronisieren, um einen Prozess zum Sturz einer ehrlosen und entehrten Führung einzuleiten", erklärte Nkunda. In weiteren Stellungnahmen hieß es, eine unmittelbare Ausweitung der Kämpfe sei nicht geplant. Doch sind in Nord-Kivus nördlicher Nachbarregion Ituri ebenfalls Kämpfe zwischen der Armee und einer neuen Rebellenkoalition ausgebrochen, zu der die Monuc nach eigenen Angaben keinen Kontakt hat. Im Kongo mehren sich Warnungen, es könnte auch in anderen Regionen zu erhöhten Spannungen kommen, zumal das Land seit dem Rücktritt von Premierminister Antoine Gizenga am 25. September keine Regierung mehr hat.

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