Quizshow „University Challenge“: Sich mal richtig dumm fühlen
Bei der Quizshow „University Challenge“ treten die Schlausten Menschen Englands gegeneinander an. Gerade läuft bereits die 55. Staffel
Welche organische Verbindung wurde erstmals 1828 von Friedrich Wöhler synthetisiert und wird üblicherweise in einer Konzentration von acht Molar verwendet, um Proteine zu denaturieren und löslich zu machen? „Harnstoff“, ruft ein Kandidat keine Sekunde, nachdem der Quizmaster Amol Rajan die Frage stellt und der Buzzer ertönt ist.
Möchten Sie sich dumm fühlen? Dann müssen Sie die britische Quizshow „University Challenge“ sehen. In dem Format, das es bereits seit 1962 gibt und das sich seitdem kaum verändert hat, treten Viererteams gegeneinander an, jedes Team repräsentiert dabei eine britische Universität oder deren College. Christ College Cambridge vs. University of Warwick hieß es dann zum Beispiel im Finale der letzten Staffel. Nun hat die neue, die 55.(!) Staffel begonnen.
Die Fragen reichen von der Nuraghenkultur Sardiniens über die Eigenschaften eines Dieselmotors bis zu den Theaterstücken Gerhart Hauptmanns oder britischen Punkbands (und nein, The Clash oder Sex Pistols waren keine der richtigen Antworten – das wäre auch zu leicht).
Bewunderung für das Wissen
„University Challenge“, Staffel 55, jeden Montag neue Folgen, auf BBC oder Youtube
Die Kandidat_innen sind immer Studierende an den jeweiligen Universitäten, fast ausschließlich posh, also eher vornehme Oberschicht, teils sozial etwas unbeholfen oder charmant nerdy, in jedem Fall aber absolute Wissensmonster und Triviamaschinen.
Der legendäre britische Schauspieler Sir Ian McKellen, der vergangene Staffel den Preis bei der Siegerehrung übergab, merkte an, dass er lediglich eine einzige Frage des Finales richtig beantworten konnte – sie handelte von Shakespeares Tragödie „Macbeth“. „Die Fragen verstehe ich schon nicht – von den Antworten ganz zu schweigen.“
Tatsächlich ist es nicht ganz so schlimm, und tatsächlich fühlt man sich beim Zusehen auch nicht dumm. Viel eher verspürt man Bewunderung für das so breit gestreute und tiefgründige Wissen der brillanten Teilnehmer_innen. Und wenn man dann selbst doch mal die ein oder andere Antwort weiß, ist das praktisch das Gütesiegel für den eigenen Geniestatus.
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