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Queer-feministischer VernetzungsortZukunft des f.a.q. steht infrage

Ein feministischer Infoladen in Neukölln soll nach 17 Jahren seine Räumlichkeiten verlieren. Dagegen wehren sich die Betroffenen.

Will weiter leuchten: das f.a.q. in der Jonasstraße Foto: Jana Storch

Aus Berlin

Martha Lippert

f.a.q., das steht für feministisch, antisexistisch und queer. So heißt der Infoladen in der Neuköllner Jonasstraße 40, ein linker Vernetzungsort für politische Bildungsarbeit und Diskussionen über queer-feministische Perspektiven. Der Laden dient als Rückzugsort für Menschen, die sexistisch, queerfeindlich, rassistisch oder anderweitig diskriminiert werden.

Doch nach fast 17 Jahren an diesem Standort droht dem f.a.q. das Aus. Im vergangenen Oktober hatte der Hauseigentümer den Betreibenden gekündigt, wie diese nun öffentlich machen. Der Laden soll bis Ende März ausziehen.

„Der Verlust des f.a.q. würde ein großes Loch in die Berliner queere und feministische Szene schlagen“, sagt Vereinsmitglied Lisa Mangold der taz. „Die Kündigung bedeutet die Verdrängung einer Anlaufstelle mit klarer antifaschistischer und feministischer Haltung“, betonte sie. f.a.q. wird vom Verein Basics e.V. ehrenamtlich getragen und finanziert sich aus Spenden.

Im Haifischbecken

Es ist was faul in der Mieterhauptstadt Berlin: Investoren spekulieren mit ganzen Wohnblöcken, Konzerne lassen ihre Häuser verfallen, Mie­te­r:in­nen müssen sich mit Eigenbedarfskündigungen und Wuchermieten herumschlagen.

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Laut Alaida Hobbing vom f.a.q werde der Raum von verschiedenen Kollektiven für Veranstaltungen genutzt. Menschen können im f.a.q. zusammenkommen und sich dort vernetzen. Dazu finden regelmäßig kostenfreie Events statt, darunter Lesungen, Konzerte oder Spieleabende. Die emanzipatorische Kiez-Bibliothek bildet daneben ein festes Projekt, laut eigener Angabe das „Herzstück“ des Ladens.

Kritik an Eigentümern

Laut Grundbucheintrag gehört das Gebäude der Divergenz GmbH. Deren Ge­sell­schaf­te­r:in­nen besetzen führende Positionen bei der casablanca GmbH, die Kinder- und Familien in schwierigen Lebenslagen durch Angebote wie Krisenhilfe und Jugendsozialarbeit unterstützt. Für die Betreibenden des Infoladens steht die Kündigung daher im Gegensatz zu dem sozialen Interesse der Vermieter:innen.

Der Eigentümer hatte laut Hobbing zum Zeitpunkt der Kündigung keine besonderen Gründe vorgelegt, da Gewerbemietverträge auch ohne Angabe eines Grundes gekündigt werden können.

Wir wären auch bereit, über eine Mieterhöhung im Rahmen einer Modernisierung zu sprechen

Alaida Hobbing

Auf Anfrage der taz gab die Divergenz Gmbh Sanierungsbedarf als Kündigungsgrund an. „Die Räumlichkeiten des Vereins sollen entsprechend heutiger Standards hergerichtet werden“, steht in einem der taz übermittelten Schreiben an die Bezirksverordnetenversammlung Neukölln. „Zu den Nutzungsvorstellungen nach Fertigstellung der Einheit können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Aussage treffen, ebenso wenig dazu, ob eine erneute Anmietung durch den Verein grundsätzlich in Betracht kommt“, hieß es weiter.

Hobbing kritisierte besonders die fehlende Verhandlungsbereitschaft. Einen Dialog mit ihnen habe es nicht gegeben. „Wir wären auch bereit, über eine Mieterhöhung im Rahmen einer Modernisierung zu sprechen“, sagt Hobbing. Ebenso sei ein Verbleib im Gebäude während der Sanierung denkbar. „Wir sind immer noch bereit, zu verhandeln“, sagt sie.

Mit einer Kundgebung am 6. März vor dem Laden will der Verein für seinen Verbleib kämpfen. „Wir fordern eine klare politische Verantwortung für den Schutz und die Absicherung queerer, feministischer Bildungsorte“, schreiben sie.

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