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Psychowaffe Patriot

■ Untersuchungen belegen, daß die Trefferquote der Patriot hochgelobt wurde

Washington (wps) — Waren die amerikanischen „Patriot“-Raketen doch viel schlechter als ihr Ruf? Nach neueren Untersuchungen soll die Wunderrakete während des Golfkrieges lediglich eine der insgesamt neunzig vom Irak auf Israel und Saudiarabien abgefeuerten Scud-Raketen vor dem Aufschlag vom Himmel geholt haben. Waffenexperten bezweifelten am Dienstag vor dem US-amerikanischen Kongreß Behauptungen der Militärs, Patriots hätten achtzig Prozent der auf Saudiarabien und die Hälfte der auf Israel abgefeuerten irakischen Scuds in der Luft zerstört. Steve Hildreth, ein Spezialist der Untersuchungsabteilung des Kongresses erklärte, die Militärs könnten nur einen erfolgreichen Abschuß einer Scud durch eine Patriot belegen. Die Debatte erfolgte nach monatelangen Diskussionen über die Zuverlässigkeit des Patriot-Systems und Vermutungen, Israel habe sie illegal verkauft.

Tatsächlich waren während des Krieges etliche irakische Scud-Raketen in der Luft explodiert. Die Experten gehen aber inzwischen davon aus, daß die hastig zusammengenieteten Geschosse in den meisten Fällen einfach während des Fluges auseinandergefallen seien. In den wenigen Fällen, in denen die Scuds tatsächlich von Patriots getroffen worden seien, hätten die Abwehrraketen in den meisten Fällen deren Sprengköpfe verfehlt, so daß die tödliche Ladung völlig intakt heruntergefallen sei, hieß es.

Trotz aller Kritik verteidigten US-Militärs weiterhin ihre Patriots. General Jay Garner bezeichnete den Einsatz der Abwehrraketen während des Krieges als „unglaublichen taktischen, politischen und psychologischen Erfolg“, senkte aber die offizielle Trefferquote um zehn Prozent. Laut Garner holten Patriots nunmehr über siebzig Prozent der Scuds vom Himmel, bevor diese auf saudisches Territorium niedergehen konnten, für Israel hätten die Treffer immerhin vierzig Prozent ausgemacht. Der Vorsitzende des Ausschusses, John Conyers Jr., forderte daraufhin eine unabhängige Analyse der Militärangaben von Leuten, „die kein Eigeninteresse am Ergebnis haben.“

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