Protest der Pfleger*innen: Personalnotstand und Arbeitshetze
Angestellte in der Pflege machten mit dem jährlichen „Walk of Care“ in Berlin auf ihre desolaten Arbeitsbedingungen aufmerksam.
Fünf Krankenhausbetten standen am Mittwochmittag auf den Platz der Republik – mitten im Regen. Darauf standen Schilder mit Parolen wie „Kapitalismus macht krank“ oder „Hauptsache satt und sauber“. Damit wollten Pflegekräfte und ihre UnterstützerInnen auf die desolate Lage im Pflegebereich hinweisen. Sie hatten zum sechsten „Walk of Care“ mobilisiert.
Ursprünglich ein Fest für die Pflege, wurde dieser Tag in den letzten Jahren mehr und mehr zu einem Protestumzug, auf dem Personalnotstand und Arbeitshetze angeprangert wurden. In Berlin demonstrierten seit mehreren Monaten Pflegekräfte vor dem Senat für Gesundheit. Mit dem sechsten Walk of Care endet dieser Protest. Sie hätten den Termin nach den Wahlen bewusst gewählt, sagte Lydia von Walk von Care Berlin gegenüber der taz.
„Wir verlangen, dass unsere fünf zentralen Forderungen in die Koalitionsverhandlungen aufgenommen werden.“ Diese wären: eine gesetzliche Personalbemessung, eine gute Ausbildung, eine gerechte Finanzierung, eine Reform der Fort- und Weiterbildungsordnung und ein politisches Mitspracherecht.
Pflegenotstand von der Öffentlichkeit kaum beachtet
Lydia beklagte, dass das Thema Pflege im Wahlkampf eine zu geringe Rolle gespielt habe. Lediglich durch die Streiks der Beschäftigten bei Vivantes und in der Charité habe der Pflegenotstand zumindest in Berlin nicht ganz ausgeblendet werden können. Vor der Charité gab es dann auch eine Zwischenkundgebung, auf der sich die DemonstrantInnen mit dem Arbeitskampf solidarisierten.
Vielen sei die Größenordnung des Pflegenotstands noch nicht bewusst, beklagte eine Teilnehmerin des Walk of Care. Sie erinnerte daran, dass der Mangel an Lkw-FahrerInnen in Großbritannien seit Tagen auch in Deutschland für Schlagzeilen sorge, während der seit Jahren andauernde Personalmangel im Pflegebereich in Deutschland kaum Thema sei.
Dabei hatten Studierende der Universität Herdecke gemeinsam mit der Deutschen Krankenhausgesellschaft eine wissenschaftliche Personalbemessungsmethode (PPR.20) entwickelt. Die werde aber nicht angewandt, weil dann mehr Personal benötigt würde. Auch wenn der aktuelle Protestzyklus der Carebeschäftigten beendet ist, betonen mehrere RednerInnen, dass sie auch künftig für ihre Forderungen auf die Straße gehen werden müssen. Schon jetzt wächst der Kreis der UnterstützerInnen.
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