Pro Zaun: Der Park braucht Schutz

Der Zaun ist ein Symbol dafür, dass die Berliner nicht von sich aus Umgangsformen einhalten.

Der Zustand vieler Parks ist jämmerlich: Auf den Wiesen liegen Scherben, Zigarettenkippen, Grillkohlereste, Hundekothaufen und sonstiger Müll. Oft laufen Hunde frei herum, und manche Gruppen angetrunkener Besucher sind wenig vertrauenerweckend. Wer mit seinen Kindern in Ruhe picknicken, Federball spielen oder herumtoben will, hat häufig keine Chance. Und Babys auf der Wiese herumkrabbeln zu lassen, ist ausgeschlossen, weil die Gefahren durch Müllkleinteile zu groß sind.

Für viele Berliner und ihre Besucher sind die Parks nicht oder nur eingeschränkt nutzbar, weil sich de facto die Starken und die Rücksichtslosen durchsetzen. Das ist ärgerlich, weil gerade diejenigen auf innerstädtische Grünflächen angewiesen sind, die sich keinen Garten am Stadtrand leisten können oder wollen. Dieser Zustand ist nicht hinnehmbar - und deshalb tut der Senat gut daran, ihn beim neuen Großpark in Tempelhof von vornherein zu bekämpfen: durch eine Parkordnung, durch Wachschützer, durch Öffnungszeiten und durch einen Zaun.

Es ist ja leider so: Gerade abends und nachts gibt es Saufgelage und Lagerfeuer in Parks, die zur Vermüllung und Zerstörung beitragen. Der Zaun, auf den man gern verzichten würde, kann dazu beitragen, diese Events einzudämmen. Vor allem aber ist er ein Symbol, das zeigt: Hier werden bestimmte Regeln zivilisierter Umgangsformen eingehalten! Schlimm genug, dass die Berliner das nicht selbst schaffen - und der Staat nachhelfen muss. Im Übrigen gilt: Sozial handelt, wer dafür sorgt, dass sich alle Menschen im Park wohlfühlen können - nicht, wer gegen sinnvolle Regeln verstößt und vermeintlich überflüssige Zäune einreißt.

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Geboren 1969 in Ost-Berlin. Studium an der FU Berlin. Bei der taz seit 1999, zunächst im Berliner Lokalteil. Schwerpunkte sind Verkehrs- und Unternehmenspolitik.

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