Pressesprecherin beleidigt Journalisten: Deine Mutter hat das Weiße Haus abgerissen
Die Pressesprecherin vom Weißen Haus beleidigt Journalisten mit „Deine Mutter“-Sprüchen. Das ist nicht besonders originell.
Statt Informationen gibt es von der Pressestelle des Weißen Hauses jetzt Beleidigungen. Auf die Frage eines Journalisten der Huffington Post antwortete Pressesprecherin Karoline Leavitt mit einer Beleidigung „Deine Mutter war's“. Der Journalist hatte Leavitt in einer persönlichen Textnachricht gefragt, wer Budapest als möglichen Treffpunkt für Trump und Putin gewählt hatte.
Auf die Nachfrage des Journalisten, ob Leavitt ihre Antwort witzig finde, schrieb sie, er sei ein „linker Schreiberling“ und außerdem voreingenommen. Eine inhaltliche Antwort lieferte sie nicht. Leavitt postete später stolz Screenshots der Unterhaltung auf Social Media.
Die Trump-Regierung steht der freien Presse in seiner zweiten Amtszeit offen feindselig gegenüber. Pressesprecherin Leavitt fällt immer wieder dadurch auf, dass sie auf Journalistenfragen mit Beleidigungen oder persönlichen Angriffen reagiert. Häufig antwortet sie nach Trumps Manier, Lügen und Falschaussagen sind alltäglich.
Zusammen mit Trumps Durchfall-Post gegen die No-Kings-Demonstrationen (er flog in einem KI-generiertem Video mit Krone auf dem Kopf über demonstrierende Amerikaner*innen und warf flüssige Exkremente über ihnen ab), erreicht die Kommunikation des Weißen Hauses also einen neuen Tiefpunkt. Trumps KI-Post und die „Deine Mutter“-Beleidigung haben gemeinsam, dass sie eigentlich Troll-Posts sind, Memes, die provozieren sollen. Inhaltliche Auseinandersetzung verweigern sie dagegen komplett.
Trump-Anhänger*innen feiern Leavitts Beleidigung in den Sozialen Medien. Und auch Leavitt hat Gefallen an ihrer neuen Sprachregelung gefunden und wiederholte ihre persönlichen Angriffe gegen den Journalisten bei Fox News.
3.500 Jahre alter Witz
Besonders originell ist sie allerdings nicht, der Witz ist sogar eine der ältesten Beleidigungen, die der Menschheit überliefert wurde. Die erste bekannte „Deine Mutter“-Beleidigung stammt von einem babylonischen Schüler, der sie vor ungefähr 3.500 Jahren auf eine Tafel ritzte. Sie funktionierte, so wie alle darauf folgenden „Deine Mutter“-Beleidigungen, als Herabsetzung der Mutter des anderen und ist in ihrem Ursprung misogyn.
Die Mutter wird wahlweise als fett, promiskuös, ungewaschen oder Ähnliches bezeichnet – also nicht rein, tugendhaft und keusch, so wie Frauen zu sein haben.
Es soll die Beleidigung in 66 Sprachen geben – solche, bei denen es um den Vater geht, gibt es dagegen nur in 20. Auch die Beleidigung „Hurensohn“ gehört in diese Sprachkategorie. Der „Deine Mutter“-Spruch hat aber ein Eigenleben entwickelt, funktioniert als sprachliches Meme, als Punchline, die dem Gegenüber den Wind aus dem Segel nehmen soll. Und jegliche inhaltliche Antwort schuldig bleibt.
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen
meistkommentiert