Pressefreiheit: Eine Tür geöffnet
Seit fast einem Jahr sitzen die beiden Journalisten in Untersuchungshaft. Am Mittwoch wurden sie frei gelassen. Die Anklage bleibt bestehen.
Die beiden angeklagten Journalisten Tunca Öğreten und Mahir Kanaat wurden am Mittwoch nach 323 Tagen aus der Haft entlassen. Angeklagt sind die beiden, die für die Zeitungen Birgün bzw. Diken arbeiten, zusammen mit 4 weiteren Journalisten wegen Terrorunterstützung. Begründet wird das mit ihrer Berichterstattung über die Mails des türkischen Energieministers Berat Albayrak, die von der Hackergruppe Redhack zuvor geleakt worden waren. Öğreten und Kanaat wurden per Videoübertragung zur Gerichtsverhandlung dazugeschaltet.
In der Anhörung am Mittwoch hatte Öğreten gesagt, dass er auf ein Ende seiner prekären Situation hoffe. Er habe schon so manche journalistische Herausforderung gemeistert und beispielsweise als Kriegsreporter gearbeitet. Noch nie jedoch habe ihn eine Situation wie die jetzige so sehr beunruhigt.
„Aufgrund der Aussage eines unbekannten, der offenbar kein Problem damit hat, sich als Hacker zu outen, werde ich seit einem Jahr meiner Freiheit beraubt. Ich will aus der Untersuchungshaft entlassen werden, damit meine unrechtmäßige Verhaftung nicht unnötig euer Gewissen belastet“, so Öğreten.
Staatsanwalt Ersin Esenal plädierte für die Aufrechterhaltung der Inhaftierung beider Angeklagten, da konkrete Beweismittel für die Anklagepunkte bestünden. Doch das Gericht entschied dagegen. Die Freilassung erfolgte unter Auflagen, darunter ein Ausreiseverbot.
geboren 1987. Journalistin bei der Cumhuriyet, seit 2013 Gerichtsberichterstatterin. Coşkun schreibt über die Korruptionsermittlungen sowie die Ermittlungen gegen die Gülen-Bewegung und beschäftigt sich mit der Einschränkung der Pressefreiheit in der Türkei. Wegen ihrer Artikel laufen zahlreiche Gerichtsverfahren gegen Coşkun.
Öğretens Ehefrau Minez kommentierte die Freilassung ihres Ehemanns so: „Ich hoffe, dass sich auf diese Weise eine Tür für die anderen inhaftierten Journalisten öffnet. Nur wenn alle inhaftierten Journalisten ihre Freiheit erlangen, können wir glücklich sein.“
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