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Pressefreiheit in NamibiaPräsidentenkinder mit Ölinteressen? Wer will das wissen?

Die Familie von Namibias Präsidentin soll in die Öl- und Gaswirtschaft des Landes involviert sein. Auf diesen Vorwurf reagiert sie sehr empfindlich.

Aus Windhoek

Alfred Shilongo

Es waren ungewöhnliche Szenen bei Namibias Kabinettsitzung am Montag, die erste in diesem Jahr. Zur Eröffnung im State House, dem Amtssitz von Staatspräsidentin Netumbo Nandi-Ndaitwah waren Journalisten anwesend. Investigativreporterin Jemima Beukes bat um Erlaubnis, eine Frage zu stellen. Die Präsidentin sagte, dies sei keine Pressekonferenz und Beukes möge sich an ihr Sekretariat wenden. Da fragte die Journalistin trotzdem: „Die Frage ist: Leute sagen, Ihre Familie kontrolliert das Öl …“

Weiter kam sie nicht. Sicherheitsbeamte umstellten sie und eskortierten sie unsanft hinaus. Laut Beukes wurde das Telefon eines Kollegen beschlagnahmt. Man habe auch ihr Auto fotografiert und gedroht, sie zu verhaften.

Es ist nicht der erste bedenkliche Vorfall zwischen Staat und Presse in Namibia, eigentlich ein Land mit vergleichsweise freien Medien. Erst vor Kurzem wurde ein Team des Staatssenders NBC (Namibian Broadcasting Corporation) vor dem Sitz der Regierungspartei Swapo (South West African People’s Organisation) beschimpft und verjagt.

Die NBC-Journalisten wollten über ein Protestcamp vor der Parteizentrale berichten. Dort verlangen seit Ende 2025 Veteranen des Befreiungskrieges die Auszahlung von UN-Wiedereingliederungshilfen, die 1989 kurz vor Namibias Unabhängigkeit an zurückkehrende namibische Flüchtlinge gezahlt werden sollten und angeblich veruntreut wurden – Regierung und UN bestreiten das.

Die in Simbabwe geborene Journalistin Tracy Tafirenyika wurde vom Minister für städtische und ländliche Entwicklung, James Sankwasa, attackiert und ihre namibische Nationalität infrage gestellt, nachdem sie geschrieben hatte, dass Sankwasa dem staatlichen Wasserversorger NamWater Geld schulde, was der Minister bestreitet.

„Das Recht, sich an der Wirtschaft zu beteiligen“

Die angeblichen Ölinteressen der Präsidentenfamilie sind Teil einer breiteren Kontroverse, seit Präsidentin Nandi-Ndaitwah im Oktober dem Energieministerium die Übersicht über Öl- und Gasprojekte entzog und direkt übernahm. Analysten und die Opposition verurteilen diesen Schritt und hinterfragen die Motivation.

„Ich erkläre kategorisch, dass meine Kinder keine Interessen im Öl- und Gassektor halten, direkt oder indirekt“, erklärte die Präsidentin nun, um den Vorwürfen entgegenzutreten. Die Journalistin Beukes müsse ihre Behauptung zurückziehen oder belegen.

Die Erklärung führt dann aber aus, die Kinder der Präsidentin hätten wie alle Namibier das Recht, sich an der Wirtschaft des Landes zu beteiligen. „Dies tun sie, um zur nationalen Entwicklung, dem Wohlstand unseres Volkes und ihrer eigenen rechtmäßigen Lebensgestaltung beizutragen. Wir werden uns nicht für die Ausübung dieses Rechtes beschuldigen lassen, solange es innerhalb des gesetzlichen Rahmens stattfindet.“

Namibias 73-jährige Präsidentin Nandi-Ndaitwah hat drei Söhne mit ihrem Ehemann, dem pensionierten General Epaphras Denga Ndaitwah, ein Swapo-Kriegsveteran und früherer namibischer Armeechef.

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