■ Press-Schlag: Gedächtnislücken
Jack Charlton, Trainer der irischen Fußballnationalmannschaft, ist vergeßlich. Als ihn ein Reporter des englischen Guardian fragte, welche Zeitungen er lese, antwortete Charlton: „Ich lese den Daily Express, mehr nicht.“ Für den schreibt er eine Kolumne – oder genauer: Die Zeitung darf so tun, als würde er die Kolumne schreiben. Einen ähnlichen Vertrag hat Charlton mit einer irischen Zeitung. Dafür bekommt er umgerechnet rund 50.000 Mark im Jahr. Leider hat die Giraffe – so wird er aus anatomischen Gründen genannt – vergessen, wer ihm diese stattliche Summe zahlt. „Ich kann mich nicht an den Namen des Blattes erinnern“, meinte Charlton in besagtem Interview. Der Herausgeber der betreffenden Zeitung, Michael Keane von der Sunday Press, weiß dagegen genau, wer bei ihm abkassiert: „Typisch Charlton“, sagt er. „Der Mann schreibt für uns seit 1986. Wenn er sich konzentriert, fällt ihm unser Name bestimmt wieder ein.“ So kurz vor der WM wolle man ihm aber nicht die Leviten lesen.
Zumindest weiß Charlton meistens, wie der nächste Gegner heißt. Das kann man vom italienischen Fußballverband nicht behaupten. In der italienischen Übersetzung der offiziellen WM- Broschüre heißt es, daß Italien am Samstag in New York gegen Nordirland antritt. In ihrer Hauptstadt Dublin seien die Nordiren fast unbezwingbar, meint der Übersetzer völlig ungetrübt von geographischen Grundkenntnissen. Ein Verbandssprecher entschuldigte sich hochroten Kopfes, nachdem der irische Botschafter in Rom Beschwerde eingelegt hatte. Allerdings können die Iren den Mund nicht allzu voll nehmen: Beim Freundschaftsspiel gegen die Tschechische Republik spielte die Dubliner Polizeikapelle vor dem Spiel statt der tschechischen die slowakische Nationalhymne. Ralf Sotscheck
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