■ Press-Schlag: Nach dem Sündenfall
Fällt der Name Bulgarien, läuft so manchem Fußballfan, Nationalspieler oder Bundestrainer hierzulande ein eiskalter Schauer den Rücken hinunter. Bulgarien, das ist seit dem Ausscheiden im New Yorker WM-Viertelfinale das, was für die Gallier einst Alesia war. Bulgarien, das sind schreckliche Gesellen wie der grimme Stoitschkow, der finstere Kostadinow oder der haarige Letschkow, die, wenn sie nicht gerade Tore schießen, an fremden Trikots zerren, schimpfen wie übelgelaunte Heiducken und sich in ihrer Freizeit den Bauch mit Junk food vollschlagen. Zu dumm, daß man in der EM-Qualifikation schon wieder gegen diese kriminelle Bande spielen muß.
Die deutschen Nationalspieler mögen das gar nicht gern zugeben. Vor allem Matthias Sammer, der beim WM-Debakel nicht mitspielte und seither als großer Heilsbringer betrachtet wird, ist bemüht, den mythischen Gehalt der Partie zu verschleiern. „Es ist kein Überspiel“, behauptet der Libero, schließlich gäbe es keine sechs Punkte zu gewinnen. Drei aber immerhin, die den Bulgaren schon die Qualifikation für das Finalturnier 1996 in England sichern würden, den Deutschen fast.
Bleibt die Frage, wie eine Wiederholung des New Yorker Sündenfalls vermieden werden kann, zumal die diesbezügliche Analyse des Bundestrainers ein wenig dürftig ausfällt. „Keiner“, auch kein „ganz großer Fußball-Guru“, könne erklären, warum man das Spiel damals verloren habe. Wir schon: die Bulgaren haben zwei Tore geschossen, die Deutschen bloß eines. Ein ungünstiger Umstand, der jederzeit wieder eintreten kann. Zum Beispiel heute abend ab 18.30 Uhr (ZDF) in Sofia. Matti
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