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Polizeiliche Kriminalitätsstatistik 2019Missbrauch nimmt deutlich zu

Im letzten Jahr registrierte die Polizei viel mehr Fälle von sexuellem Missbrauch und Kinderpornografie als zuvor. Insgesamt geht die Kriminalität aber zurück.

Trauriger Rest: Räder und Sattel wurden gestohlen Foto: Jens Kalaene/dpa

epd | Im vergangenen Jahr hat die deutsche Polizei deutlich mehr Fälle von sexuellem Missbrauch und der Verbreitung von Kinderpornografie registriert. Die Verbreitung von Missbrauchsdarstellungen von Kindern stieg 2019 um rund 65 Prozent, wie aus der am Dienstag veröffentlichten Polizeilichen Kriminalstatistik hervorgeht. Registriert wurden demnach 12.262 Fälle. Fälle von Kindesmissbrauch summierten sich im vergangenen Jahr auf 13.670. Das bedeutete einen Anstieg um 11 Prozent.

Fälle von Verbreitung, Besitz oder Herstellung jugendpornografischer Schriften stiegen der Statistik zufolge um 24 Prozent auf insgesamt 1.991. Die Zunahme im Bereich Kinderpornografie bezeichnete Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) als „dramatisch“, betonte aber zugleich, dies sei auch dadurch zu erklären, dass mehr Fälle vom Dunkel- ins Hellfeld gerückt worden seien. Die Zusammenarbeit mit der US-Organisation NCMEC und deutschen Internetbeschwerdestellen habe zu deutlich mehr Hinweisen und Ermittlungsansätzen geführt.

Die Polizeiliche Kriminalstatistik verzeichnet insgesamt trotz Bevölkerungszunahme für das Jahr 2019 einen Rückgang der Kriminalität um 2,3 Prozent. Herausgerechnet sind dabei ausländerrechtliche Verstöße wie der Aufenthalt ohne entsprechende Erlaubnis. Seehofer und der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, der Thüringener Ressortchef Georg Maier (SPD), betonten als zweiten Schwerpunkt im Bereich der Kriminalitätsbekämpfung den Kampf gegen Rechtsextremismus.

Die rechtsextrem motivierten Anschläge hätten gezeigt, dass sich die Szene weiter radikalisiere, sagte Maier. Seehofer betonte erneut, der Rechtsextremismus sei derzeit die größte Bedrohung im Land.

Die Kriminalitätsstatistik enthält keine aufgeschlüsselten Daten zu politisch motivierter Kriminalität, sogenannten Staatsschutzdelikten. Diese werden in aller Regel gesondert vorgestellt. Wegen der Corona-Pandemie wurde die Statistik in diesem Jahr nicht wie üblich bei einer Pressekonferenz erläutert, sondern mit Bewertungen im Internet veröffentlicht.

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1 Kommentar

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  • Die übliche Kriminalitätsstatistik-Verzerrung. Früher gab es kaum Fälle, da alles unter den Teppich gekehrt wurde. Inzwischen ist die Gesellschaft sensibilisiert und die Strafverfolgung sehr aktiv, dann steigen die Zahlen in der Statistik, während die effektiven Zahlen deutlich zurück gehen. Das kann man umgekehrt auf andere Kriminalität anwenden. Dort wo das Augenmerk der Poltik ist, scheint die Kriminalität zu explodieren und dort wo sich niemand mehr dafür interessiert, scheint die Kriminalität zurück zu gehen.



    Es gibt eben (fast) keine Kriminalitätsstatistiken sondern nur Kriminalitätsverfolgungsstatistiken.