Polizeiausbildung in Hamburg: Es mieft im Neubau

Am Montag wurde die Grundsteinlegung eines Neubaus der Hamburger Polizeiakademie gefeiert. Das Geld hätte man auch besser investieren können.

Hamburgs Polizeipräsident Ralf Martin Meyer und Innensenator Andy Grote legen gemeinsam den Grundstein für die neue Polizeiakademie

Moderne Typen: Hamburgs Polizeipräsident Ralf Martin Meyer und Innensenator Andy Grote Foto: Marcus Brandt/dpa

Das heiße Sommerwetter, die Stehtische und Pavillons weckten am Montag Erinnerungen an Sektempfänge und Silberhochzeiten. Der Dresscode passte ebenfalls ins schicke Bild: Diverse Anzugträger, stramm stehende Polizist*innen, einige wenige Frauen im Sommerkleid à la Business Casual. Doch nein, es wurde niemand konfirmiert. Man hatte sich zusammengefunden, um die Grundsteinlegung eines Neubaus der Hamburger Polizeiakademie zu feiern.

Andy Grote, SPD-Politiker und Senator für Inneres und Sport, lobte die Akademie, stellte die hohe Qualität der ausgebildeten Kräfte heraus. Er schlussfolgerte: „Wer eine moderne Polizei will, braucht eine moderne Akademie.“ All das sei einem Zuwachs des Behörden-Etats zu verdanken: Über eine Milliarde Euro stehen Grote zufolge zur Verfügung und die sollen unter anderem für die „Modernisierung der Polizei“ aufgewendet werden.

Auf die Eckdaten des Bauwerks ging er darum mit viel Freude ein: Hier in Hamburgs Norden entstehe die „zukunftsgerichtete Weiterbildung“ auf 10.000 Quadratmetern Fläche mit „modernsten Hörsälen“. Sogar einen Fahrstuhl werde es geben, mit dem Fahrzeuge für Trainingszwecke in die Untergeschosse gebracht werden können. Polizeipräsident Ralf-Martin Meyer sprach von einer „Neuausrichtung“ der Polizei, die den Ansprüchen einer Großstadt gerecht werden müsse. Auf viel- und zugleich nichtssagende Weise kündigte er „neue Lehrformate“ an.

Was genau eine moderne von einer antiquierten Polizei unterscheidet, ließen die beiden dabei offen. Auf Nachfrage, um was für Lehrformate es sich genau handelt, werden vor allem neue Formen der Didaktik genannt: virtuelles Lernen, Lehrvideos, asynchrone Lernformate.

Doch auf die Frage, ob auch antirassistische Inhalte ihren Weg in die neu ausgerichtete Polizei finden würden, verweist die Polizei nur auf ihr schon vorhandenes Institut für transkulturelle Kompetenz an der Akademie. Inhaltlich bleibt also alles beim Alten. Die neue Polizei wird wohl über Zoom angelernt. Warum eigentlich, wenn doch gerade modernste Hörsäle gebaut werden?

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