Politik in Zeiten der Katastrophen: Soziales Ende

Die Grünen haben vergessen, ihren Wahlkampf mit dem Klimawandel abzusprechen. Und die wieder öffnenden Schulen setzen auf „Wird schon nicht schaden“.

Enthüllung eines großen Grüne-Wahlplakats, das Baerbock und Habeck zeigt

Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock enthüllt ein Plakat in Wilhelmshorst bei Potsdam im Juli Foto: Martin Müller/imago

taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht vergangene Woche?

Friedrich Küppersbusch: THW pumpt in der Eifel, löscht in Griechenland.

Und was wird in dieser besser?

Irgendjemand ruft nach neuem Zivildienst beim THW.

Ende 2020 hatte Sachsen-Anhalt die Anhebung des Rundfunkbeitrags um 86 Cent blockiert. Das Bundesverfassungsgericht hat die Erhöhung nun in einem Beschluss übergangsweise angeordnet. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff kommentiert das Urteil mit den Worten: „Das ist ein Demokratieproblem.“ Ist es das?

Klar. Und es heißt: Reiner Haseloff. Der MP und viele seines Amtes sind Chefohrfeigensammler beim Bundesverfassungsgericht, wenn es um die Unabhängigkeit des Rundfunks geht. Im Dutzend hagelte es Entscheidungen: Staatsferne nach Art. 5 und Art. 20 GG. Die Länderbosse sollten sich raushalten, Rundfunk sei frei und Sache des Volkes. Selbst die findige Konstruktion der Länderchefs, über eine Kommission doch wieder nach Gusto am Geldhahn schrauben zu können, verfing nicht. Haseloff hämmert gern mal bei Rot über die Ampel und erkennt dann ein Demokratieproblem, wenn er dabei erwischt wird.

Die Flammen in Griechenland, Italien, Russland und der Türkei fressen sich weiter durch die Wälder. An anderen Orten der Welt kämpft man gegen Überschwemmungen und Kalifornien muss dringend Wasser sparen. Wird nun doch auch den Letzten klar, dass der Klimawandel keine Erfindung der Grünen ist?

Man kann dem Klimawandel nicht vorwerfen, seine Symptome mit der Wahlkampfleitung der Grünen abzusprechen. Die sind einfach immer da. Als Baer­bock jetzt mit dem Impuls­papier Bildung querkam, war ich schon enttäuscht, dass Laschet ihr nicht Ablenkungsmanöver vorwarf.

Die ersten Schü­le­r:in­nen sind nach den Sommerferien zurück an der Schule. Haben diese eigentlich einen Plan oder den Sommer wieder verschlafen?

Die Landesschulgesetze regeln, dass „unangemeldete Tests in die Gesamtnote einbezogen werden dürfen“. Und das ist ja nun wirklich einer. Freunde des Filtriersystems ziehen Vergleiche zu den Notabiturienten nach dem Krieg oder der Generation der Wendewirren nach 89. „Ist ja auch was draus geworden“, raunt es dann, „hat uns damals auch nicht geschadet.“ Das bildungspolitische Ziel, „auch nicht zu schaden“, ist ein bisschen unterehrgeizig und die Versetzung gefährdet. Der Test hat schlimme Lücken bei Digitalisierung, Hilfe zur Selbstständigkeit, „lernen, lernen“ und Motivation entblößt.

Das Robert Koch-Institut verzeichnet einen schnelleren Anstieg der Corona-Inzidenzen als im Sommer 2020, die Impfquote steigt nur langsam. Was nun? Impfzwang, Impfanreize oder was hilft uns jetzt noch?

Die Trägheit der Massen. Im Alltagsleben gibt es zunehmend Impfprivilegien, und das gilt nach dem Gesetz nicht als Diskriminierung. Am fernen Horizont dräut ein „soziales Ende der Pandemie“, vornehm für: man findet sich mit Kranken, Toten, der Gegenwart der Gefahr ab. Manche, weil sie sich geimpft sicher fühlen, andere weil sie das Impfen delegieren. Es stellen sich Konditionsmängel ein, längs derer sich ein Ausnahmezustand zur Normalität erklärt

Eine Untersuchung hat die Vorwürfe der sexuellen Belästigung gegen Andrew Cuomo, den Gouverneur von New York, bestätigt. Doch trotz Rücktrittsforderungen seitens Präsident Joe Biden klammert sich Cuomo weiter ans Amt. Wie lange kann das gut gehen?

Ein „feindseliges Arbeitsumfeld voller Furcht und Einschüchterung“: Hoppla, schreibt die Bild-Zeitung da etwa in eigener Sache? Nein, über Cuomo. Und: „Eine zivile Untersuchung einer Generalstaatsanwältin, die nicht zwangsläufig strafrechtliche Konsequenzen nach sich zieht“ – was bitte ist eigentlich das? Offenbar ein Behelf zwischen Opfern, die sich nicht trauen, Anzeige zu erstatten, und einer Justiz, die ohne Zeugen nichts unternehmen kann. Nun steht der nächste Schritt an, nämlich ein juristisches Verfahren, und so lange – letztlich bis zum Urteil – kann Cuomo in Ruhe zocken.

Deutschland-, Ampel- und Wie-sie-nicht-alle-heißen-Koalitionen: Das große Rumrätseln, wer uns denn nun nach der Wahl im September regieren wird, hat begonnen. Welche Koalitionsoption finden Sie momentan am realistischsten?

Nach Umfragen: Schwarz-Grün mit Kanzler Olaf Scholz.

Surfen, Klettern, Skateboard – die neuen Sportarten bei den Olympischen Spielen kommen gut an bei den Zu­schau­er:in­nen. Was könnte fürs nächste Mal noch mit ins Programm genommen werden?

Ich hörte von „Fremde Pferde verprügeln“.

Nach 17 Jahren ist Schluss: Lionel Messi wird keinen weiteren Vertrag mit dem FC Barcelona unterschreiben. Was ist da passiert?

Barça ist klinisch pleite; der Club ist ein eingetragener Verein, formell ist er im Besitz seiner Mitglieder. Für Messi hingegen ist ein Krösusclub aus dem Gelddruckuniversum attraktiver.

Und was machen die Borussen?

Der neue Trainer Rose lässt drei Toptorwarte konkurrieren. Da geht es denen so wie ihm.

Fragen: mlr, cas

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Jahrgang: gut. Deutscher Journalist, Autor und Fernsehproduzent. Seit 2003 schreibt Friedrich Küppersbusch die wöchentliche Interview-Kolumne der taz „Wie geht es uns, Herr Küppersbusch?".

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