Podcasts über alles und jedes: Sauer macht lustig

Ernährung, Psychologie und Promis: über die Vorzüge und Abgründe von Podcasts und den Schiss vor Karl Lauterbach.

Elon Musk grüßt im Smoking

Ist Elon Musk schonmal gescheitert? Das sind so Fragen … Foto: Evan Agostini/dpa

Alles ist so unerträglich, ich hör nur noch Ernährungs-Podcasts!“, sagt der Freund und löffelt seine frittierte Avocado beim Veganer.

„Sind wir deshalb heute hier?“, fragt der andere Freund.

„Nö, vegan kann ich auch den ganzen Tag Pudding und Chips essen. Ernährungs-Podcasts hör’ ich, weil ich da nie mit Politik konfrontiert werd’, und alles ist so einfach: Zucker nein, Weizenkeimöl ja, fertig!“

„Stimmt“, sagt die Freundin, „schön, mal nix mitzubekommen, außer dass man Vitamin C braucht, um Euphorie empfinden zu können!“

Urin muss transparent sein

„Oder wie viel Wasser wirklich muss!“

„Dein Urin muss einmal am Tag transparent sein, dann ist alles Böse eliminiert!“

„Pah, das war bei mir vielleicht 1998 so!“

„Man kann auch überwässern!“

„Läuft man dann über?“

„Der Mensch ist doch kein Fluss, da schwillt das Hirn an!“

„Es gibt Menschen, die süchtig danach sind, sich perfekt gesund zu ernähren, meist Frauen, die in ihrer Beziehung sexuell unzufrieden sind.“

„Woher weißt du das?“

„Ich höre nur noch Psychologie-Podcasts, ich glaub, das heißt dann emotionales Essen!“

„Nee, das ist, wenn man 100 Hanuta isst, anstatt zu weinen.“

„Psychologie-Podcasts sind mir zu unheimlich, ich will gar nicht wissen, was in anderen oder gar mir so alles vorgeht, außer peristaltisch oder mikronährstoffmäßig. Aber neulich hat mich ein Ernährungs-Podcast auch verstört, dem bin ich prompt entfolgt!“

„Was hat man eigentlich früher an emotionaler Konsequenz aufgefahren, als man noch nicht entfolgen oder blockieren konnte?“

„Da hattest du den Internet- und Telefon­ballast ja nicht, also war die Situation bei null!“

„Ballaststoffe sind sehr nützlich für den Darm und der Darm ist wichtig für die Psyche, Ballast wurde lange unterschätzt!“

„So wie Scheitern, das wird heute gefeiert, dubiose Bestseller gibt’s da zuhauf, wenn du wer sein willst, scheitere, sonst bist du quasi kein Mensch!“

„Was hat man eigentlich früher an emotionaler Konsequenz aufgefahren, als man noch nicht entfolgen konnte?“

„Meint ihr Elon Musk ist schon mal gescheitert?“

„Nur in der Liebe, aber da so richtig!“

„Woher weißt du das?“

„Ich höre nur noch Promi-Podcasts.“

„Viele Menschen sind heute in beziehungsähnlichen Strukturen mit Podcasts.“

„Ja, weil man nicht widersprechen kann und zum Zuhören gezwungen ist, sie sind der Superlativ der Sprachnachricht! Die perfekte Mono-Partnerschaft.“

Der salzlose Professor

„Von Podcasts wird man weniger enttäuscht!“

„Aber was hat dich denn nun an deinem Ernährungs-Podcast enttäuscht?“

„Die haben den Lauterbach eingeladen!“

„Wegen: Was soll ich essen vor während und nach Corona oder was?“

„Nee, weil der seit 1989 kein Salz mehr isst!“

„Wie jetzt? Gar keins?!“

„Nur wenn in einem Lebensmittel natürlicherweise was drin ist!“

„In Fleur de Sel, haha!“

„Nee, du Keks, Dorade, Miesmuschel und so!“

„Bizarr, der Typ!“

„Sinister wirkt das, da krieg ich Schiss, der ist doch Entscheidungsträger im Land und mit ganz ohne Salz, da bist du doch unkonzentriert auf Dauer!“

„Und was haben die von dem Podcast dazu gesagt?“

„Dass er ernährungsmäßig ja ein Querdenker sei!“

„Und dann?“

„Haben alle irre gelacht.“

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Jasmin Ramadan ist Schriftstellerin in Hamburg. Ihr letzter Roman „Hotel Jasmin“ ist im Tropen/Klett-Cotta Verlag erschienen. 2020 war sie für den Bachmann-Preis nominiert. In der taz verdichtet sie im Zwei-Wochen-Takt tatsächlich Erlebtes literarisch.

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