Podcastkritik „schon gehört?“: Die Anarcho-Rampensäue

In dem Podcast „IIS“ sprechen die Comedians Idil Baydar und Ingmar Stadelmann über AfD, Faschismus und Implantate. Ganz Alltägliches also.

Idil Baydar guckt dich fragend an

Dieser Podcast braucht Idil Baydars Lachen als Pendant zum subtilen Ingmar Stadelmann. Foto: Cengiz Karahan

„Ick war ja letztens beim Zahnarzt …“ So sollten Podcasts anfangen. Immer. Zumindest fängt die aktuelle Folge des Podcasts „IIS“ der beiden prominenten Comedians Idil Baydar und Ingmar Stadelmann derart alltäglich an und steigert sich zu einem famosen Talk über die vermeintliche Macht von Ärzten, Arschimplantaten und AfD.

Idil Baydar, bekannt geworden mit ihrer Kunstfigur „Jilet Ayse“ und als Schauspielerin und preisgekrönte Stand-up-Künstlerin auf den Bühnen Deutschlands unterwegs, und Ingmar Stadelmann, ebenfalls preisgekrönt und seit neuestem Moderator der Satiresendung „Abendshow“ im rbb, sind ein fabelhaft sympathisches Gespann.

Angekündigt ist der wöchentliche Podcast als „lässiger Ausstalk“ und hat so poppige Folgennamen wie „Hitler-SUV und Esoterik-Trubel“. Ausgestattet mit dem kehligsten Lachen des Universums ist Baydar ein passendes Pendant zum eher nüchternen Stadelmann, der eigentlich, laut Baydar, ein „verdrehter Kanake“ ist.

In den ersten paar Minuten lachst du mit den beiden über Pointen, die kaum geprobt wirken – großartig die Szene, in der er einen Zahnarzt-Witz reißt und sie nicht darüber lachen kann und fragt: „Was soll ich jetzt machen?“

Baydar und Stadelmann denken nach über Faschismus und Trump, über Rechtsradikale und Rechtsextreme und die Wut darüber, dass man sich in der deutschen Öffentlichkeit zu sehr in Sicherheit wiegt. „Ey, Millionen von Stories mittlerweile und da sitzt der Deutsche doch ernsthaft in meiner Show und sagt: Nee, nee, da passiert nüscht. Ja, Digger, dir passiert gerade nix, aber uns passiert es. Das möchte man aber nicht hören!“, setzt Baydar wütend an.

Stadelmann gibt ihr beschwichtigend recht und schlägt den argumentativen Bogen vom Ossi zur Migrantin, weil beide Gruppen in der Politik „faktisch unterrepräsentiert“ seien. Irgendwann gegen Ende des einstündigen Pod­casts kriegen sie lässig die Kurve und reden über Hängetitten. „IIS“ ist der Anarcho unter den Promi-Podcasts, oder eben ein lustiger Polit-Talk, je nach gustatorischer Wahrnehmung.

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