Playoffs in Eishockey-Liga NHL: Smoothies auf Eis

Im Baseball dominieren Infektionszahlen die Berichterstattung. Derweil schreitet der Spielbetrieb in den kanadischen NHL-Blasen unaufgeregt voran.

Zwei Eishockeymannschaften nach dem Spiel beim Händeschütteln

Tschüss Oilers! Die Chicago Blackhawks nehmen die Glückwünsche der Edmonton Oilers an Foto: Jason Franson/Canadian Press/ap

Spitzensport zu treiben in Coronazeiten, das kann ganz schön kompliziert sein. Baseball zum Beispiel. Da fallen ständig Spiele aus, weil halbe Mannschaften positiv getestet werden. Manch einer zweifelt schon, ob die eh schon stark verkürze Saison überhaupt beendet werden kann. Und Ryan Christenson war plötzlich ein Nazi.

Der Assistenz-Trainer der Oak­land A’s wollte sich ganz besonders vorbildlich an die Hygienevorschriften halten und seine Schützlinge nicht mit einem High-Five, sondern einem Ellbogen-Check vom Feld verabschieden. Allerdings reckte er dabei den Arm dermaßen ausdrücklich nach oben, dass ein ziemlich authentischer Hitler-Gruß entstand. Die Geste sei „unabsichtlich“ passiert und Christenson stehe nicht hinter dem „rassistischen und schrecklichen Gruß“. Na dann.

Im Vergleich dazu macht die NHL ihrem Ruf als „No Humour League“ alle Ehre. Es ist zwar einigermaßen seltsam, dass im Hochsommer Eishockey gespielt wird. Die NHL hatte alle Mannschaften, die noch eine Chance auf die Playoffs hatten, in Toronto und Edmonton versammelt, um den Spielbetrieb wieder aufzunehmen. Aber aus den beiden Bubbles, in denen die ersten Achtelfinal-Partien schon gespielt sind, werden nahezu ausschließlich sportliche Nachrichten vermeldet.

Bei dieser entspannten Nachrichtenlage machten sogar die Food-Trucks Schlagzeilen, die in die Blase aufgenommen wurden und nun auf dem Vorplatz der Multifunktionsarena in Edmonton stehen. Ausgerechnet das vegane Street-Food-Angebot wird von den Eishockey-Cracks am besten angenommen, strahlte das Betreiber-Pärchen in der Presse: „So ziemlich alle Edmonton Oilers haben hier schon gegessen.“ Vor allem Smoothies sollen sehr beliebt sein bei den harten Jungs.

Aus für die Oilers

Einziger Wermutstropfen: Die Kundschaft wird nun entschieden weniger, denn ausgerechnet das Heimteam hat sich bereits aus der Blase verabschiedet. Die Edmonton Oilers scheiterten in der Qualifikationsrunde überraschend mit 1:3 Siegen an den Chicago Blackhawks. Mit den Oilers fehlen nun in den kommenden Wochen, bis Ende September die Stanley-Cup-Finals angepfiffen werden, auch Connor McDavid und Leon Draisaitl.

Die Teamkollegen gelten als die aktuell beiden vielleicht nicht besten, aber auf jeden Fall spektakulärsten Spieler in der NHL. McDavid hat im zarten Alter von 23 Jahren bereits zwei Mal die Scorer-Wertung gewonnen, der deutsche Draisaitl hatte es ihm in der im März abgebrochenen Saison nachgemacht. Der 24-jährige Kölner ist Favorit für die „Hart Trophy“, die der „wertvollste Spieler“ der Saison erhält – trotz des Ausscheidens ihres Teams, das neben den beiden Topstars vor allem in der Defensive und bei den Torhütern große Defizite hat.

In den vier Spielen gegen Chicago sammelten McDavid (9), Draisaitl (6) und der ebenfalls starke Ryan Nugent-Hopkins (8) zwar reichlich Punkte für Tore und Vorlagen, aber leisteten sich auch, wie Draisaitl analysierte, „zu viele kleine Fehler, die in dieser Zeit des Jahres nicht passieren dürfen“.

Fehlerfrei durch die Pandemie

Abseits des Eises leisten sich die Hockey-Cracks aber erstaunlich wenige Fehler. Bei den mehr als 14.000 Covid-19-Tests, die die Bubble-Bewohner in Toronto und Edmonton bislang absolvieren mussten, gab es nur zwei positive Resultate. Die NHL hat genau studiert, wie der Profisport in Europa wieder in Gang gebracht werden konnte, und profitiert nun auch davon, dass sie sich für zwei Standorte in Kanada entschieden hat, wo die Pandemie sehr viel besser im Griff ist als in den USA.

Außerdem ist die Spielergewerkschaft lange nicht so gut organisiert wie die bei der Konkurrenz im Baseball und Basketball: Die Profis haben sich ohne großes Murren darauf eingelassen, wochenlang ohne physischen Kontakt zu ihren Familien zu leben.

Gary Bettmann bleibt trotzdem vorsichtig: „Ich habe nicht vor, mir die Schulter auszukugeln, weil ich mir selbst auf die Schulter klopfe“, sagte der NHL-Boss. „Das waren alles nur erste Schritte. Wir haben noch eine sehr lange Reise vor uns, bis wir diese Saison zu einem guten Abschluss bringen können.“

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