Standbild: Platte Dialoghappen
■ "Die Gerichtsreporterin"
„Die Gerichtsreporterin“, Dienstag, 20.15 Uhr, ARD
Kombiniere Karrierefrau mit Krimiambiente, und fertig ist das Konzept der Serie. Das dachten sich wohl die Fernsehspielherren der ARD (Regie: Hartmut Griesmayr, Drehbuch: Peter Zingler), als sie die 13teilige Reihe „Die Gerichtsreporterin“ auf den Markt warfen.
Denn nicht nur der Vorspann – rotierende Druckmaschinen – erinnerte an die letzte Serie auf demselben Sendeplatz „Auf eigene Gefahr“ mit Thekla Carola Wied als Klatschreporterin. Auch das grobe Raster der Rahmenhandlung – nach einem Betriebsausflugsbesäufnis vergewaltigt der Firmenchef eine Mitarbeiterin im Minirock – wurde schon im Krimi „Der Dienstagsmann“ von Fred Breinersdorfer vor ein paar Jahren abgehandelt. Selbst der Showdown war mit einigen Abstrichen altbekannt. Die Mutter (Diana Körner) des Opfers zieht im Gerichtssaal die Knarre, um den angeklagten Vergewaltiger zwar nicht zu erschießen, aber zum Geständnis zu zwingen. Jetzt endlich kommt die rasende Reporterin Claudia Bender (Gerit Kling) zum Einsatz und rettet die Situation. Die Folge ihrer Heldentat: sie wird vom bislang krittelnden Verleger zur Gerichtsreporterin befördert.
Doch merke: Glück im Job bedeutet kein Glück in der Liebe. Die Konflikte der Karrierefrau drehen sich um Männer, Männer und nochmals Männer. Sei es der wortkarge Vater, der schnöselige Bankerfreund oder der „Bonsai-Macho“ in der Redaktion. Dagegen erscheint selbst der Psycho-Ratgeber der Brigitte nobelpreisverdächtig.
Leider wird keine der angerissenen Episoden in Ruhe zu Ende erzählt, sondern sie werden ohne Sinn ineinander verschachtelt. Bei soviel Heckmeck hatte die Protagonistin – von der Presse bereits als neuer Fernsehstar aus dem Osten hochgejubelt – keine Chance, ein eigenes serientaugliches Profil zu entwickeln. Das lag aber weniger am schauspielerischen Können, als an den superplatten und lahmen Dialoghappen aller Beteiligten. Marke „Typisch Weiber am Steuer“.
Dabei startete die Serie in den ersten Minuten mit einem bombigen Auftakt. Heimeliges hellerleuchtetes Fenster in nächtlicher Fassade – und auf einmal fliegt die Wohnung in die Luft. Irgendwann erfahren wir in einem Nebensatz den Grund dafür: explodierter Selbstmord wegen Räumungsklage. Das wäre eine originelle Story gewesen! Caroline Schmidt-Gross
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