Plakatkampagne der Polizei Hamburg: Diskriminierende Werbung mit System

Die Polizei Hamburg löscht ein Motiv ihrer Kampagne. Erneut müssen sie sich für diskriminierende oder unsensible Inhalte rechtfertigen.

Werbeplakat

Die Werbung will witzig sein, ist aber diskriminierend Foto: hamburg.de

Ben hat eine Postkarte, oder sagen wir besser einen Liebesbrief, an die Polizei geschrieben. Ob es Ben wirklich gibt? Weiß keine:r. Doch der Postkarten-Tweet der Polizei Hamburg erheitert seit Mittwochabend die Twitter-Nut­zer:in­nen. Aber nicht immer sind die PR-Kam­pagnen der hansestädtischen Polizei zum Lachen.

Etwa die Plakatkampagne „In Hamburg schaut man hin“, die seit September 2019 läuft. Entwickelt von der Agentur battery, soll es darum gehen, das Verantwortungsbewusstsein der Bevölkerung zu stärken. Auf den Plakaten sind verschiedene Situa­tio­nen zu sehen, bei denen man nicht eindeutig erkennen kann, was passiert ist. Immer versehen mit dem Spruch „Geh auf Nr. sicher, ruf die Polizei“.

Für wen genau das nun „sicher“ sein soll und ob es richtig ist, in jeder nicht klar zu definierenden Situation die Polizei zu rufen, sei einmal dahingestellt. Einige der Motive, sind jedoch ohne Frage problematisch. Auf einem der Plakate sieht man einen Menschen auf einer Parkbank, neben ihm liegt eine Spritze. „Insulin oder Heroin?“, steht darüber. Dass das Plakat Dia­be­ti­ker:in­nen stigmatisiert, hat die Polizei Hamburg – nach heftiger Kritik in sozialen Medien – nun auch verstanden und am Mittwoch angekündigt, das Motiv zurückzuziehen.

Ein anderes problematisches ist derweil noch online: Zwei Männer laufen eine Straße entlang, die Hand des einen liegt auf der Hüfte des anderen; dieses Motiv ist mit dem Spruch „Kumpel oder Klauer?“versehen. Doch was soll mit dem Zeigen eines schwulen Paares bezweckt werden? Dass alle Vorbeilaufenden eine Gefahr wittern? Dass schwule Männer unter Generalverdacht gestellt werden sollten? Man kann nur hoffen, dass die Polizei Hamburg sich dazu entschließt, auch das zu entfernen.

Mit dem Löschen hat die Polizei jedenfalls Erfahrung. Im Juni veröffentlichten sie ein Foto einer Rettungsaktion von Schwänen. Darunter stand: „Eine Schwanenfamilie hatte sich offenbar verirrt und erhielt daraufhin von uns ‚Begleitschutz‘. Hätten wir übrigens auch für schwarze Schwäne gemacht.“ Dass damit die Debatte über rassistische Polizeigewalt ins Lächerliche gezogen wurde, sah die Polizei nicht ein. Doch kurz darauf löschte sie den Tweet.

Ein „Gut gemeint, aber schlecht gemacht“ scheint bei der Fülle an Beispielen nicht glaubhaft. Also steckt hinter lauter Einzelfällen vielleicht System?

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