Pläne in der Viktoriakaserne: Künstler wollen kaufen

Die Stadt hat den Kulturschaffenden des Frappant-Vereins ein gutes Angebot gemacht. Bis Jahresende soll über eine Genossenschaft das nötige Geld hereinkommen.

Reichlich Raum für Fantasie: Hof der Viktoria-Kaserne. Bild: Klaus Irler

Über drei Jahre ist es her, dass der Senat die Künstler aus dem Frappant in der Großen Bergstraße in die Viktoria-Kaserne gelockt hat. Seither ist es ruhig geworden um den Frappant-Verein. Doch nun beginnt für die Künstler eine heiße Phase. Bis Ende des Jahres wollen sie eine Finanzierung zusammenbringen, damit sie den denkmalgeschützten Backsteinbau aus wilhelminischen Zeiten von der Stadt kaufen können.

Damit der Umzug möglichst geräuschlos verlaufe und sich die Frappant-Künstler für die neuen Räume erwärmten, hatte die Stadt den Künstlern gute Konditionen in Aussicht gestellt. Bis heute werden die Mieten subventioniert: Die Künstler zahlen 5,25 Euro Warmmiete pro Quadratmeter. Über einen Zwischennutzungsfonds schießt die Kulturbehörde zwei Euro pro Quadratmeter zu. Momentan sind das jährlich rund 110.000 Euro – Geld, das die Stadt auf Umwegen an sich selbst zahlt.

Die Zwischennutzung soll nun verstetigt werden. Auch die Stadt ist daran interessiert, dass es für den Verein eine tragfähige Lösung gibt. Weil die Subvention über die Miete künftig wegfallen und das Gebäude saniert werden soll, würden die Kosten in den nächsten Jahren steigen. Die kalkulierten 10,50 Euro pro Quadratmeter, die sie 2015 aufbringen sollen, wären für die derzeitigen Nutzer nicht bezahlbar.

Die ehemalige Polizeikaserne nahe der Max-Brauer-Allee stammt aus wilhelminischen Zeiten und steht unter Denkmalschutz.

Zunächst sollten die Künstler die Räume für ein Jahr nutzen. Seither arbeiten Frappant-Verein und die städtische Kreativgesellschaft an einem Konzept für eine langfristige Perspektive.

Derzeit stehen immer noch drei Viertel des Gebäudes leer.

Insgesamt müssten die Frappant-Künstler nach derzeitigen Schätzungen rund sechs bis acht Millionen aufbringen, um den Kaufpreis und die Sanierung zu zahlen. Dabei soll eine Genossenschaft helfen.

Deshalb hat die Stadt den Künstlern ein wohlwollendes Kaufangebot gemacht: 1,8 Millionen Euro für 9.500 Quadratmeter Bruttogeschossfläche wären beinahe ein Schnäppchen, wenn da nicht der Sanierungsstau wäre. Ein Gutachten schätzt die Kosten für die Sanierung auf weitere vier bis sechs Millionen Euro.

„Der springende Punkt ist, wie teuer die Sanierung wird“, sagt Daniel Behrens vom Frappant-Verein. „Es ist noch nicht klar, was da auf uns zukommt.“ Unklar ist außerdem, wie viel der Fläche tatsächlich genutzt werden kann.

Bislang nutzen die Künstler die Räume vor allem für ihre Ateliers und Büros. Künftig soll Gewerbe dazu kommen. Der Frappant-Verein hat sich mit der Initiative „Lux und Konsorten“ zusammengetan, die erschwingliche Gewerberäume in Altona fordert. „Derzeit sind wir in einer intensiven Planungsphase“, sagt Behrens. Gemeinsam erwägen sie die Finanzierung über eine Genossenschaft. Diese soll das nötige Eigenkapital aufbringen, der Rest müsste über Kredite finanziert werden.

Zum anvisierten Konzept des Vereins gehört es auch, das Gebäude für den Stadtteil zu öffnen. „Das Gebäude ist momentan baulich geschlossen – wie eine Burg“, sagt Behrens. Mit dem, was der Verein inhaltlich machen will, stimme das nicht überein.

„Wir sind froh, dass die Stadt Willens ist, das Gebäude an einen bestimmten Nutzer zu verkaufen“, sagt Egbert Rühl von der Kreativgesellschaft. Der Ball liege nun auf der Nutzerseite.

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