Pläne für die St. Maximilian-Kolbe-Kirche: Eine Klorolle für die Alten

Ein Jahr nach dem Beschluss, eine Kirche in Wilhelmsburg doch nicht abzureißen, stellt der Betreiber eines Seniorenheims seine neuen Pläne vor.

St. Maximilian-Kolbe-Kirche in Wilhelmsburg: Neue Pläne für die Nutzung der "Klorolle".

HAMBURG taz | Einen Schritt vorangekommen, ist der Plan, die Maximilian-Kolbe-Kirche in Wilhelmsburg umzunutzen: Ein Jahr nach der Entscheidung, den drohenden Abriss des wegen seiner außergewöhnlichen Form auch "Klorolle" genannten Baudenkmals zu verhindern, stellt der neue Betreiber des benachbarten Seniorenheims seine Pläne für eine künftige Nutzung vor.

Anfang Dezember war klar, dass sich der Kampf um den Erhalt des markanten Baudenkmals ausgezahlt hatte. Nach zähen Verhandlungen gab das Erzbistum Hamburg damals zusammen mit der Kulturbehörde und den Maltesern bekannt, dass die St.-Maximilian-Kolbe-Kirche als Gebäude erhalten bleiben und von den Maltesern zu einem Zentrum der Begegnung mit sozialen und kultursensiblen Angeboten umgewandelt werden soll.

Mit diesem Manöver lassen sich die Erweiterungspläne der Malteser nun auch ohne Kirchenabriss umsetzen. Eine Änderung des Bebauungsplans machte es möglich, dass an der mittlerweile entweihten Kirche die notwendigen Sanierungen vorgenommen werden können. Die Finanzierung der 900.000 Euro teuren Sanierung der Außenfassade wird von der öffentlichen Hand, privaten Spenden und dem Erzbistum sowie der Hamburger Stiftung Denkmalpflege übernommen. Die multikulturelle sowie Generationen übergreifende Nutzung wollen die Malteser durch Angebote für Beratung, Ausbildung und Betreuung erreichen.

Begegnungsort für Menschen mit Demenz

Unter Schutz gestellt worden ist die 1974 fertiggestellte St.-Maximilian-Kolbe-Kirche laut Denkmalschutzamt, weil sie mit "ihrer ungewöhnlichen, ausdrucksstarken Spiralform und der gezielten Verwendung von Sichtbeton ein charakteristisches Beispiel für den Kirchenbau der 1970er-Jahre" sei.

Zudem mache der Bau nach einem Entwurf von Jo Filke "die freie Gestaltung zu einem wirkungsvollen städtebaulichen Merkzeichen".

Aufgehoben wird solcher Denkmalschutz-Status immer wieder - etwa aus Gründen der "wirtschaftlichen Unzumutbarkeit" für einen Eigentümer oder auch eines "öffentlichen Interesses", das eine Veränderung oder gar den Abriss erfordere.

In Wilhelmsburg wurde zeitgleich mit der katholischen Kolbe- auch die evangelische Paul-Gerhardt-Kirche aufgegeben.

Anvisiert ist ein Begegnungsort für Menschen mit Demenz, ein Freiwilligenzentrum, eine Elternküche, sozialpädagogische Familienhilfe und die Möglichkeit, in der Kirche eine sozialpflegerische Ausbildung zu absolvieren. Das Ganze unter der Prämisse, "kultursensibel" zu agieren, um möglichst viele Menschen aus dem Stadtteil anzusprechen.

Der Leiter des Denkmalschutzamtes, Andreas Kellner, ging bei der Präsentation der Pläne sogar so weit, das Angebot der Kirche als ein Angebot an ganz Hamburg zu deklarieren.

Schon deswegen sei die Zukunft der Kirche, die nun zusammen mit dem benachbarten Seniorenwohnheim unter dem Namen "Malteser Campus St. Maximilian Kolbe" firmiert, ein "Post-IBA-Projekt reinsten Wassers".

Nur ein „bisschen Innenausbau“

Für "das bisschen Innenausbau" wie Kellner den weiteren Schritt nach der hart umkämpften Erhaltung der Kirche und deren Außensanierung nannte, werden die Malteser 1,5 Millionen Euro aufwenden.

Ob dabei auch das von Mathias Lintl, einem der Wilhelmsburger Ideengeber, vorgeschlagene Holodeck berücksichtigt werden wird, ist noch offen. Fest steht, dass in der Kirche eine Kapelle mit Raum für spirituelle Angebote erhalten bleiben soll. Klar ist, dass das bereits seit 2009 bestehende Mehrgenerationenhaus unter der Leitung von Ingrid Stegmann fortgeführt werden und entsprechenden Raum bekommen soll. Denn es sind die bestehenden Netzwerke in Wilhelmsburg, die die Malteser so schätzen, und an die sie anknüpfen wollen. Denn, so Alexander Becker vom Malteser Hilfsdienst: "Wir kommen nicht hier her, um jemand zu verdrängen." Vielmehr, so Becker, kämen sie "in friedlicher Absicht".

Mit der Umsetzung der genannten Pläne rechnen die Malteser nicht vor 2018, bis die Kirche saniert und ausgebaut wird.

Einmal zahlen
.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de