Petition der Woche: Drama um die Schokoladenfabrik

Um mehr Bonbons zu produzieren, will der Süßigkeitenkonzern Storck in NRW einen Wald roden lassen. Fridays for Future hält dagegen.

Produktion für Schokolade.

Mehr Süßes zulasten des Waldes? Für Storck (hier die Produktionsstätte in Gotha) offensichtlich ok Foto: Martin Schutt dpa/picture alliance

In Halle (Westfalen) steht ein Süßigkeitenwerk der Firma Storck. Toffifee, Werther’s Original, nimm2, Mamba und Dickmann’s werden hier hergestellt. Das klingt so weit wie der Beginn eines Kinderfilms von Tim Burton – doch hier, in der Kleinstadt in der Nähe von Bielefeld, hofft die klimaaktivistische Fridays-Jugend nicht auf eine goldene Eintrittskarte, um endlich die Fabrik von innen sehen zu dürfen.

Im Gegenteil: Seit dem 1. Oktober kampieren sie vor deren Toren im Steinhausener Wald und besetzen diesen. Den „Steini“, wie sie den Wald getreu der Namenstraditionen der Baum­be­set­ze­r:in­nen nennen, möchte Storck nämlich roden. Sieben Hektar Wald sollen weg, um das Werk zu erweitern.

Demos, offene Briefe sowie eine erste Waldbesetzung im letzten Frühjahr konnten Storck von diesen Plänen nicht abbringen. Der zuständige Regionalrat hat die Rodung bereits genehmigt. Für die 21.000-Einwohner:innen-Gemeinde ist Storck mit rund 3.200 Mit­ar­bei­te­r:in­nen wichtigster Arbeitgeber und Steuereinnahmequelle. Gerodet werden darf allerdings nur zwischen Oktober und März, und so lange soll der Wald besetzt bleiben. Storck hat bekanntgegeben, ihn nicht zwangsräumen lassen zu wollen.

Auf Change.org läuft derweil die Petition „#StorckStoppen – Steini retten. No Merci für Lachgummi, nimm2, Knoppers und Co!“. Gestartet hat sie Ende September die Ortsgruppe von Fridays for Future (FFF) im Altkreis Halle. Eine ähnlich gelagerte Petition einer Bürgerin aus Halle hatte Storck zuvor ignoriert. Sie hatte nur knapp 2.500 Unterschriften. Die FFF-Petition haben hingegen mittlerweile fast 102.000 Menschen unterschrieben.

Lieber Wald statt Süßigkeiten

„Als wir bei 70.000 Unterschriften waren, haben wir Storck um ein Gespräch gebeten. Es wurde abgelehnt“, erzählt Marie, selbst Aktivistin, die im „Steini“ kampiert, und ihren Nachnamen nicht in der Zeitung lesen möchte. Mit der Petition, sagt Marie, wolle man vor allem darauf aufmerksam machen, dass es in Zeiten der Klimakrise nicht okay sei, Wälder für Profite zu roden – und zeigen, dass viele Menschen das genauso sehen. Zusätzlich fordert FFF auf, Storck-Produkte zu boykottieren. Der Erhalt eines wertvollen Waldes sei wichtiger als Lachgummi.

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Nun hat Storck vor, als Ausgleich Flächen im Umfang von acht Hektar aufzuforsten. „Somit entsteht insgesamt sogar letztlich mehr Wald“, sagt Unternehmenssprecher Bernd Rößler. Augenwischerei, finden die Aktivist:innen. Diese Bäume könnten frühestens in 50 Jahren die CO2-Speicherkapazität des „Steini“ ersetzen. Der intakte Mischwald aus Bäumen verschiedenen Alters sei wichtig für das städtische Klima. Er sei auch die einzige Verbindung für Tiere zwischen dem anliegenden Teutoburger Wald und dem Tatenhauser Wald.

„Ich persönlich hoffe immer noch auf ein Gespräch und eine Kompromisslösung. Wir werden nicht gehen, solange diese nicht stattfindet“, sagt Marie. „Alternativ wäre nur ein Standort im Ausland in Betracht zu ziehen“, schreibt Storck allerdings. Würde dort jedoch ebenfalls Boden versiegelt, würde es das Problem nur verschieben – was die Ak­ti­vis­t:in­nen keinesfalls möchten.

Zurzeit sind die Wald­be­set­ze­r:in­nen dabei, das Camp winterfest einzurichten. „Wir freuen uns über Sachspenden wie Wollsocken, Nudeln oder Decken“, sagt Marie. Und Schokolade, solange sie nicht von Storck ist.

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