das ding, das kommt: Panikrolle vorwärts
Foto: Mario Aurich/imago
Gerade mal 46 Rollen Klopapier verbraucht ein Mensch in Deutschland pro Jahr, hat der Industrieverband für Körperpflege und Waschmittel mal ausgerechnet. Nicht mal eine pro Woche also. Eine Position im europäischen Mittelfeld: In Schweden verbrauchen sie doppelt so viel, in Spanien nur die Hälfte. Dass gerade dieses Kulturgut in Zeiten antizipierter Versorgungskrisen gehamstert wird, führt folgerichtig zu breiter Verwunderung. Schließlich kann man zur Not ja auch immer noch zur „bösen Hand“ und anschließend, wie ohnehin empfohlen, zur Seife greifen.
Trotzdem kam es immer wieder zu Toilettenpapier-Paniken. 1973 ging in Japan die Kunde, dass die Beschränkung der Ölimporte auch zur Verknappung des Einmal-Tissue-Papiers führen werde. Und als alle sich eingedeckt hatten, lag die sich selbst erfüllende Prophescheiße für alle sichtbar in der Schüssel und keine Rolle mehr im Supermarktregal. Und nach dem Erdbeben und der Tsunami-Katastrophe 2011 war es wieder so.
Echte, nicht herbeiprophezeite Klopapierknappheit gab es in Venezuela. Dort war die Versorgung 2013 tatsächlich nicht gewährleistet. 50 Millionen Rollen Toilettenpapier musste die Regierung importieren – fast zwei Stück für jede*n Venezolaner*in.
Wenn das Hamburger Clubkombinat nun aber stolze 99 Euro für eine Rolle Klopapier verlangt, dann weiß man natürlich: Das ist eine Soli-Aktion, denn: Die Versorgung ist ja hierzulande gesichert! Sie ist gesichert! Aber wer partout noch eine teure Panikrolle möchte, kann sie dann auch dort erwerben, wo er oder sie der strauchelnden Klubszene durch die Corona-Scheiße helfen kann. Auf dass alle sich ihre 46 Rollen pro Jahr auch weiterhin leisten können – zu sonst handelsüblichen Preisen. Robert Matthies
Infos: www.clubkombinat.de
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