: Ottenser Kirschreiskuchen
■ Chaos und Idylle in Nippon: Mit Filmen und Fotos stellen die Japanwochen den Stadtteildialog Ottensen-Mukojima vor
„Die Menschen sind hier anders“, sagt Yukio Tsuji, Schriftsteller aus Japan. Hier, das ist der beschauliche Stadtteil von Tokio – Mukojima. Und hier wird nicht, wie etwa im Geschäftszentrum, auf Dachterrassen, die architektonischen Monumente städtebaulicher Fortschrittseuphorie im Rücken, Golf gespielt, sondern in idyllischen Gäßchen geplaudert.
Da erklärt eine Manga-Zeichnerin, daß sie die schiefen Fenster so liebt, weil sie es haßt, ein Lineal zu benutzen. Ein Buchweizennudelexperte kommentiert elegisch den Wandel in Mukojimas Teigfädchenkonsum: „Unsere Vorfahren, haben die Nudeln geschluckt ... aber heute schmeckt es uns besser, wenn wir die Nudeln kurz kauen bevor wir sie schlucken.“ Hier setzt man sich an den Sumida-Fluß und beißt selig in seinen Kirschenreiskuchen. Und hier, anders als im geschäftigen Stadtkern, zischt auch kein Frittenfett, schreit keine hysterische Radiowerbung auf die Tonspur von Brigitte Krauses Dokumentarfilm Tokyo – Back for the Future, der im Rahmen des Japanisch-Deutschen Stadtteildialoges gezeigt wird.
Vom 1. September bis zum 1. November wird in Filmen, Ausstellungen und einem Symposium der städteplanerische und kulturelle Austausch zwischen Ottensen und dem fernen Mukojima präsentiert. Auf dem Eröffnungsfest laufen weitere Dokumentationen zum Thema von Brigitte Kraus, Yoko Tawada liest aus ihrer Erzählung Der Faltenmann vom Sumida-Fluß vor und Fotografin Stefanie Ritter präsentiert ihre Ausstellung Mukojima – Zwischen Chaos und Idylle.
Im Oktober werden Filme japanischer Nachwuchsregisseure gezeigt, grob sortiert nach den Schwerpunkten „Zukunft der Städte“ und „Städtische Innenwelten“. Seit 1991, seitdem Brigitte Kraus einen Brief an den Stadtplaner Yamamoto schickte, in dem sie den damals drohenden Abriß des alten Einkaufszentrums in Ottensen beklagte, besteht der Austausch zwischen beiden Welten.
Gerne würden die Ottenser Yamamotos Programm, „Die Verehrung der engen Gassen“ in ihrem Viertel heimisch machen. Sehnt man sich an der Elbe nach der architektonischen Geborgenheit im fernen Mukojima, hockt auch Autor Tsuji in Back for the Future am Sumida, träumt, daß Philipp Starcks moderne Flammenskulptur auf der anderen, hektischen Uferseite „wie die Raupe einer Monstermotte in den Fluß stürzt“ und ganz schnell zurück nach Europa schwimmt. Birgit Glombitza
ab So, 1. 9., 19 Uhr, Lichtmeß
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