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„Opfer des Kalten Krieges“

Die USA unterstützten die Taliban, und der Westen schaute zu: Afghanische Oppositionelle gehen heute in Hamburg auf die Straße  ■ Von Kaija Kutter

Mit einer Demo will ein Teil der rund 18.000 in Hamburg lebenden Menschen aus Afghanistan heute Vormittag (Start: 11 Uhr vom ZOB zur Moorweide) auf ihre Sicht der Dinge aufmerksam machen. „Wir wollen zeigen, dass die afghanische Bevölkerung nicht gleich Taliban und Bin Laden ist“, sagt Ahmad Jan Amini, einer der Organisatoren. Sein Land, so der Grafiker, der seit 20 Jahren in Hamburg lebt, sei „Opfer des Kalten Krieges“. Erst marschierte die Sowjet-union ein, dann unterstützte die USA die Taliban. Der Westen, so mahnt er, habe „zu lange untätig zugeguckt, was dort passiert“.

Die Demo soll „Schmerz und Empörung“ über die Geschehnisse in den USA zum Ausdruck bringen, aber auch Protest gegen den Anschlag auf den Führer der „Nord-Allianz“, Ahmad Schah Massoud, sein, der am Sonntag durch eine Bombe schwer verletzt wurde. Zwei als Reporter getarnte Terro-risten hatten einen Sprengsatz in ihrer Kamera versteckt. Kommandant Massoud, der sich zur Demokratie bekenne, sei „Hoffnungsträger für das afghanische Volk“, heißt es im Demoaufruf, den rund 250 Personen unterstützen.

Nicht mitgetragen wird der Aufruf von der „Afghanischen Gemeinschaft e. V.“ und vier Vereinen, die der „Nord-Allianz“ kritisch gegenüberstehen. „Wir dürfen die Situation hier in Hamburg nicht anspannen“, mahnt deren Sprecher Azgarkhil Mangel, „das kann die Gesellschaft nicht verstehen.“

„Das afghanische und das amerikanische Volk leiden unter der gleichen Terrororganisation“, sagt dagegen Amini. Er würde einen „gezielten Schlag“ gegen Bin Laden befürworten. Nicht aber eine „blinde Bombardierung des Landes“.

Doch genau dies befürchten viele seiner Landsleute. So die afghanischen Frauen, die gestern früh zum Deutschkurs in das „Kinder- und Familienzentrum Schnelsen-Süd“ kamen. „Bush soll gesagt haben, er macht ganz Afghanistan kapput“, sagt Fatima Zadek*. „Ich könnte heulen, ich hab solche Angst um meine Leute.“ Tanten, Cousins, Cousinen, wer sie herholen will, braucht Geld.

Ausliefern könnten die Taliban Bin Laden nicht, sind sich die Frauen sicher: „Das geht nicht, der ist doch mit der Tochter eines Führers verheiratet.“ Auch sei dessen Schuld noch nicht bewiesen. Aber wenn Bush dafür sorgen würde, dass die Taliban nicht mehr an der Regierung sind, „das wäre gut“, sagt Rabia Cidiki*. „Dann geh ich zurück. Ich hab Sehnsucht nach meinem Land.“ Doch dort zu leben sei derzeit katastrophal.

Was die Frauen besorgt, ist aber auch die Stimmung gegen Muslime, die sich hierzulande breit macht. „Leute gucken böse, weil ich ein Kopftuch trage“, berichtet Rabia. „Die denken, ich sei Terrorist.“ Eine Besucherin berichtet gar von zwei Türkinnen, die nach Dienstag ihren Job verloren, weil ihr Chef vor ihnen Angst bekam.

Angst vor den hiesigen Folgen haben auch zwei Iranerinnen: „Ich hab gehört, dass sie die Gesetze verschärfen und alle Muslime nach Hause schicken“, sagt eine. „Wenn ich das hör, klopt mein Herz.“

*Namen geändert

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