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Offenbarung oder Frankenstein?

■ Diskussion über Anna Oppermanns Un-Endliche Bild-Archive

Ein digitaler Dia- und Diskussionsabend ist heute dem Nachlaßwerk der im März 1993 viel zu früh verstorbenen Künstlerin Anna Oppermann und der Verwaltung ihres Nachlasses gewidmet. Im Falle Oppermanns trat zu der kunsthistorisch bekannten Sicherung die digitale Archivierung hinzu. Das computergestützte Verfahren geht, dies ist im Werkbegriff der Künstlerin intendiert, über die reine Rekonstruktion hinaus. Die Projektgruppe zur Nachlaßsicherung (Karolina Breindl, Ute Vorkoerper und Herbert Hossmann u.a.) steht vor dem Problem, die als offene, hierarchiefreie Ensembles gestalteten Werke über die Möglichkeit des künstlerischen, situativen und räumlich-assoziativen Zugriffs hinaus, im Ausstellungsbereich präsentationsfähig erhalt- und handhabbar zu machen. Die Künstlerin formulierte ihren Anspruch, den sie in ihren Ensembles verwirklicht sehen wollte: „In meinen Ensembles werden die verschiedenen Erkenntnisebenen in ihrer Aussage nebeneinander akzeptiert. Die Offenheit des Arrangements erlaubt dabei Korrekturen und Modifikationen.“ Ob der Computer dabei eine Offenbarung ist oder ein Frankenstein der Kunst, ob Authentizität und Originalität überhaupt noch gegenwärtige Kriterien der Kunstkritik und Geschichte sind, und ob die bereits erfolgten Rekonstruktionen nach wie vor auratisch wirksam sind – Fragen, die zu einer mit Spannung erwarteten Diskussion führen. G.F.G.

Heute, Galerie Vorsetzen, Seilerstr. 29, 19 Uhr

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