Öko-Kontroverse über Fliegen : Flugscham out? Gott sei Dank!
Das Fliegen wird mit fossilen Energien ermöglicht und ist enorm klimaschädlich. Aber ist es zielführend, andere dafür zu verurteilen? Was hilft wirklich, fragt Peter Unfried: Moral oder Technologie?
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taz FUTURZWEI | Grundsätzlich schadet selbstverständlich jeder Flug mit fossilem Antrieb dem Erhalt der planetarischen Grundlagen. Die Ausrede ist nicht valide, einer allein mache ja keinen Unterschied und das Flugzeug fliege ja auch ohne einen. Man kann auch nicht einen Mord begehen und sagen, ach, bei den vielen Morden weltweit sei dieser eine ja wohl vernachlässigbar. Oder die Steuer verweigern. Jeder Beitrag ist wichtig für das Ganze.
Peter Unfried ist Chefreporter der taz und Chefredakteur von taz FUTURZWEI, Magazin für Zukunft und Politik. Außerdem Kolumnist und Autor. Spezialinteresse: Die gesellschaftlichen Bedingungen, unter denen ernsthafte Klimapolitik möglich wird. Unfried lebt in Berlin-Kreuzberg und wuchs in Stimpfach, Baden-Württemberg, auf.
Nichtsdestotrotz war dieses ewige „Waaas, du fliegst?“ oder „Wie kommt ihr denn da hin – mit dem Schihiff?“ ein völlig unproduktiver und sogar schädlicher Moralausstoß, mit dem sich vielleicht die Anklagenden schön über andere erhoben, der aber sonst nur die Angeklagten anpissen und verärgern konnte, nicht aber das Flugaufkommen senken.
Die Idee, Leute durch Flugscham zum Nichtfliegen zu bewegen ist fast so naiv, wie „die AfD politisch stellen“ zu wollen.
Allerdings gibt es eine Gegenbewegung, die nun auch nicht produktiv ist. Während sich die Weiterfliegenden vor Kurzem noch wortreich entschuldigen zu müssen glaubten, dass sie ja leider nur Kurzurlaub hätten oder der Zug zu teuer sei, wird neuerdings betont, dass man es einfach verdient habe, zwischen Skiurlaub und Interkontinentalurlaub noch schnell mal drei Tage Sonne in Teneriffa „zu tanken“, weil der Winter so kalt war oder der Job so hart oder man seine Blähungen auskurieren muss.
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Das steigert die Emissionen nicht, denn geflogen wurde ja so oder so, sondern die fossil betriebene Kultur nur mit Geschwätz verbrämt. Aber wenn die Bewahrung der planetarischen Grundlagen wieder aus dem Portfolio des korrekten Sprechens herausfällt, dann ist das sicher auch kein Zeichen, dass klimapolitische Mehrheiten unmittelbar bevorstehen.
Ich denke, es gibt da nur eine Lösung und die hat der Physiker Anders Levermann vorgeschlagen: Jeder kann in der Weltgeschichte herumfliegen, aber kein Flug darf Emissionen produzieren. Ja ja, ich weiß, das bedeutet eine technologische Lösung. Die wird nicht einfach, aber sie ist hundertmal leichter hinzubekommen als eine moralische Lösung. Das ist aber kein Plädoyer dafür, nichts zu tun und auf erneuerbares Fliegen zu warten.
Grundsätzlich gilt: Keiner kann globale Nullemissionen allein schaffen, aber jeder muss dafür etwas beitragen.
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