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Nur echt, wenn's knarrt

■ Individualisten sitzen in Rattansesseln umweltfreundlich, aber strumpffeindlich

Korbmöbel sind für die meisten Menschen große Sessel-Ungetüme, die in der Ecke stehen und ein lautes Knarren von sich geben, sobald jemand wagt, sich auf sie zu setzen. Dies aber ist falsch, denn der Begriff „Korbmöbel“ sagt nichts über das Material aus; er dient als Bezeichnung für alle geflochtenen Möbel, aus Stahl, Eisen, Papier oder eben das knarrende Rattan.

Rattanrohr wird aus dem Stamm der Rotang-Palme gewonnen, von der rund 600 Arten existieren. Der Wert aller aus Südostasien exportierten Rattanmöbel beträgt laut der neuesten World-Watch-Studie drei Milliarden US-Dollar. Trotz dieses Volumens ist die kommerzielle Nutzung der Palme noch unbedenklich, da die Pflanze relativ schnell nachwächst.

Laszlo Marass vom Verein „Pro Regenwald“ empfiehlt Käufern jedoch, darauf zu achten, wo das Möbel gefertigt wurde: „Dadurch kann erreicht werden, daß die Arbeiter in den Herkunftsländern höherqualifizierte Tätigkeiten ausüben, indem sie die Möbel selber anfertigen, und dann auch besser bezahlt werden.“

Die Preisunterschiede bei Rattanmöbeln sind beträchtlich. Zwischen 200 und 2.000 Mark kann ein Sessel kosten. Außer dem Herstellungsort schlagen hier der Name des Designers und die Art des Rohres zu Buche.

Rattanrohr kann auf zwei verschiedene Arten bearbeitet werden und wird je nach Bearbeitung als „Peddigrohr“ oder als „Boondot“ bezeichnet. Peddigrohr entsteht, indem der Stamm der Rattanpalme durch eine Runddüse gedrückt wird, die die äußere Schicht des Stammes entfernt. Da dieses Rohr sehr empfindlich ist, muß es danach lackiert werden. Hier bieten einzelne Hersteller bis zu 30 verschiedene Fabtöne an, in denen die Möbel bestellt werden können: individuellen Kombinationen sind keine Grenzen gesetzt.

Boondot entsteht, indem die Rinde des Palmenstammes abgeschält wird, die natürliche Schutzschicht, die über dem Rohrkern liegt, bleibt erhalten. Boondot muß daher nicht mehr lackiert werden und ist deshalb das ideale Material für alle Naturfreaks – allerdings auch teurer.

Neben Rattan-Korbmöbeln werden in den meisten Läden heute auch „Lloyd-Loom-Möbel“ verkauft. Obwohl diese äußerlich kaum von Rattan zu unterscheiden sind, werden sie völlig anders gefertigt. Sie bestehen aus Papier, das mit Metalldrähten verzwirnt wird. Das Verfahren wurde 1917 von Marshal Burns Lloyd entwickelt und löste in den zwanziger Jahren eine neue Modewelle aus. Naturfreunde mögen verächtlich auf dieses Material herabblicken, allen anderen aber sei es empfohlen, vor allem Strumpfhosenträgerinnen: Während das Sitzen auf Rattanstühlen selten ohne Laufmaschen abgeht, splittern die Lloyd-Loom- Möbel nicht und haben sich dadurch als Freund auch der empfindlichsten Nylons erwiesen. Dauerhafter und unempfindlicher als Rattanmöbel sind sie auch. Einziger Nachteil: das vertraute Knarren fehlt. Katharina Voß

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