piwik no script img

Nun auch noch das Bonner Umweltrecht

■ BRD-Umweltminister Töpfer stürzt mit einem „mächtigen Schritt“ auf die Umweltunion zu / Der Rahmengesetzentwurf wurde „gemeinsam“ erarbeitet / Für Atommeiler nur befristete Betriebsgenehmigungen / DDR-SPD kritisiert fehlende Regelungen zu Kfz-Abgasgrenzwerten

Bonn (dpa/taz) - Die DDR übernimmt mit Inkrafttreten des Staatsvertrages am 1. Juli wesentliche Vorschriften des bundesdeutschen Umweltrechts. Entsprechende Regelungen sind in einem Rahmengesetz vorgesehen, dessen Entwurf in der gemeinsamen Umweltkommission erarbeitet wurde. BRD -Umweltminister Klaus Töpfer (CDU) nannte als Ziel, zur dringend notwendigen Umweltsanierung in der DDR einen „mächtigen Schritt“ zu unternehmen.

Damit wären die Voraussetzungen geschaffen, daß bei Neuinvestitionen in der DDR die „hohen Umweltschutzanforderungen der Bundesrepublik gelten“. Bestehende Industrieanlagen würden nach kurzen Übergangsfristen diesem „strengen Umweltniveau“ angepaßt.

Der Gesetzentwurf regelt die Übernahme bundesdeutscher Vorschriften in den sieben Bereichen Immissionsschutz, Kernenergie und Strahlenschutz, Wasser- und Abfallwirtschaft, Chemikalienrecht, Naturschutz und Prüfung der Umweltverträglichkeit. Für mehr saubere Luft sollen auch in der DDR die Bestimmungen der Großfeuerungsanlagenverordnung - sie betrifft vor allem Kraftwerke - und der Technischen Anleitung (TA) Luft sorgen

-allerdings mit jeweils um ein Jahr verlängerten Fristen. So müssen beispielsweise DDR-Kraftwerke, die wegen der Braunkohleverwendung als besondere „Dreckschleudern“ gelten, spätestens bis zum 1. Juli 1996 entweder modernisiert oder stillgelegt werden.

Für die maroden Atomkraftwerke in der DDR wird die jeweilige Betriebsgenehmigung im Gegensatz zur Bundesrepublik auf fünf Jahre befristet. Unabhängig davon, so erläuterte Töpfer, könne jeder Reaktor zu jeder Zeit stillgelegt werden, falls sich bei der Sicherheitskontrolle entsprechend den zu übernehmenden Überwachungsvorschriften des Atomgesetzes eine Gefährdung ergeben sollte. Im Blick auf das Atomkraftwerk Greifswald äußerte er die Überzeugung, daß die beiden stillgelegten Reaktorblöcke auch in Zukunft nicht wieder in Betrieb gehen. Zunächst werden Töpfer und sein DDR-Kollege Steinberg (CDU) die nächsten Schritte zur Verwirklichung des Umweltrahmengesetzes gemeinsam unternehmen.

Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Schäfer kritisiert den Entwurf als unbefriedigend, da er nach wie vor keine Regelungen zur Übernahme der Kfz-Abgasgrenzwerte enthalte und immer noch eine Übergangsfrist für das Weitergelten der Betriebsgenehmigung für DDR-Kernkraftwerke vorsehe.

Die Grünen-Mitglieder im Bundestagsausschuß „Deutsche Einheit“, Almut Kottwitz und Charlotte Garbe, lasteten Töpfer an, die Chance für einen ökologischen Neuanfang in der DDR vertan zu haben.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen