Neuer Roman von Rachel Cusk: Aus dem Leben eines Schwans
Spekulationen begleiteten Rachel Cusks neuen Roman „Das Leben der M“. Im Fokus soll die Schauspielerin Natalie Portman stehen.
Foto: 20th Fox
Rachel Cusks neuer Roman „Das Leben der M“ warf Fragen auf, bevor die erste Seite überhaupt gelesen werden konnte. Schon vor der Veröffentlichung des Buches wurde spekuliert, die Schauspielerin, über die Cusk in dem Roman schreibt, sei Natalie Portman.
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Darauf deuten biografische Ähnlichkeiten hin, etwa Ms Durchbruchrolle in einem Film mit sexuellen Motiven, in dem sie als junges Mädchen mitwirkte, oder ihre Rolle als Ballerina, die großen Anklang fand. Portman selbst spielte mit 12 Jahren in „Léon der Profi“ und später die Hauptrolle in „Black Swan“. Cusk und Portman kennen sich und leben beide in Paris.
In „Das Leben der M“ schlägt eine namenlose Autorin ihrer Freundin M vor, eine Autobiografie über sie zu schreiben. M willigt ein. Beide wohnen in einer namenlosen Stadt, die an einem Fluss liegt und einen hässlichen Turm hat. Ihre Häuserfassaden werden von Ms Gesicht für eine Werbekampagne geschmückt.
Rachel Cusk: „Das Leben der M“. Aus dem Englischen von Eva Bonné. Suhrkamp Verlag, Berlin 2026, 175 Seiten, 25 Euro
Nachdenken über Echtheit
Cusk nutzt den Beruf der Schauspielerin, um über Echtheit nachzudenken. M weiß nicht, wer sie ist, außerhalb von ihren Filmrollen. Ihr kommt es unmöglich vor, Gefühle oder Gedanken zu haben, wenn sie die nicht über eine Filmfigur nachvollziehen kann. Sollte sich eine ehrliche Emotion in ihr hochkämpfen, droht M in Panik zu verfallen.
Die Autorin legt die innersten Vorgänge einer Person dar, die so öffentlich ist, dass jeder glaubt, sie zu kennen. Wie um die fehlende emotionale Tiefe von M zu unterstreichen, bewegt sich Cusk aber an der Oberfläche von allem, was sie beschreibt. Ms Erfahrungen mit Mobbing in der Schule oder der sexuelle Missbrauch als Kind am Filmset scheinen mehr nüchterne Tatsachen als einschneidende Ereignisse zu sein.
Bis zum Ende deutet alles auf einen Schlüsselroman hin. Als sich M jedoch bei der Autorin über das Geschriebene beschwert, versteht diese nicht, wie sie M gekränkt haben soll. Sie habe sich die Figur doch ausgedacht. Alles, was die Leser*innen über M gelernt haben, ist also vielleicht gar nicht echt. Was nach dem Eintauchen in Ms vermeintliches Inneres bleibt, ist nur die Erkenntnis, dass es nicht viel zu wissen gibt.
Das frustriert, und ist clever. Denn dass das Wenige, was man an Substanz von M zu greifen bekommt, gar nicht echt ist, unterstreicht letztendlich, was Cusk in ihrem Roman versucht zu thematisieren: Echtheit als Konstrukt, nicht unähnlich dem Geschlecht.
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