Neuer Köln-„Tatort“: Albtraum nach der Flut
Im neuen Köln-„Tatort“ geht es um Verantwortung und Preppertum. Vor allem aber zeigen zwei Schauspielerinnen, was möglich ist im Fernsehen.
D iesem „Tatort“ aus Köln muss man ein wenig Zeit lassen, sagen wir so fünfzehn Minuten. Dann hat sich die tatorttypische Erklärbärdramaturgie ausgetobt – sie kommt dann momentweise wieder hoch, da holen wir uns Snacks oder gehen auf Klo –, und es kann schon losgehen.
Die Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) stehen für die gute alte Bundesrepublik, in der Raumdufthändler, die den Verwesungsgeruch der von ihnen vertretenen Klientel überdecken sollen, noch keine prägende Rolle im öffentlichen Leben spielten.
Mit Ballauf und Schenk werden noch individuelle, moralische Geschichten verhandelt, von persönlicher Schuld, Trauer, Neid, Habgier, Angst und Panik.
„Tatort – Die letzten Menschen von Köln“
nun schon immer ab Freitag in der ARD-Mediathek und Sonntag, 19. September, 20.15 Uhr im Ersten
Zwei außergewöhnliche Schauspielerinnen stehen dafür mit ihren Rollen ein. Ann-Kathrin Kramer als patente Pferdewirtin, die es irgendwann so satthat, sich immer hinten anzustellen; und nun wirklich mit einer perfekten Performance Katrin Wichmann als Prepper-Gattin und überforderte Mutter, der als einziger Freund nur noch der Limoncello bleibt. So etwas sieht man sehr selten, nicht nur im deutschen Fernsehen, und sollte es sich nicht entgehen lassen.
Die schlimme Jugend
Die Obsession der „Tatort“-Reihe mit der Jugend, die immer irgendwie einen schizophrenen Schatten hat, bedrohlich wie ein Eisberg, dem man sein volles zerstörerisches Volumen nicht ansieht, kommt auch in dieser Folge zu voller Blüte. Was umso absurder ist, als es ja tatsächlich immer weniger junge Menschen gibt, dafür haben Boomer und folgende Generationen geschickt gesorgt und sich so ihren Machterhalt gesichert.
Dies gesagt, kann man Paul Ahrens als 16-jährigem Prepper-Sohn Mats Zechmann überhaupt keinen Vorwurf machen. Aber er muss halt in arg eng gesetzten Grenzen agieren.
Ganz im Gegensatz zu dem, was den ganzen mäandernden Schlamasselplot dieses „Tatorts“ auslöst, eine Flut nämlich, die Menschen und Tiere mitreißt und vom Einzelnen verlangt, sich zu positionieren, als Retter für andere oder nur für sich selbst. Ob das alles dann im Einzelnen schlüssig ist, bleibt wie bei jedem Krimi, der Fahrt aufnimmt, zweitrangig.
Es gibt hier Menschen, die interessieren und deren Schicksale wir bis zur Auflösung verfolgen wollen. Und das bei einem Film, der moralisch, aber nur ganz selten moralistisch ist.
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