Neue Musik aus Berlin: Es schweift ein Klang durch die Stadt
Der Projekraum Errant Sound ist ein Hub für experimentelle Klänge und Sound Art. Eine Compilation versammelt Beiträge von Mitgliedern und Friends.
D er Alex mag zum Unort geworden sein, aber er klingt eindrücklich, zumindest oberhalb des Trottoirs. Am Haus des Lehrers, an dem Bildfries „Unser Leben“ von Walter Womacka, hat der Klangkünstler Max Joy sechs Mikrofone installiert. Sie haben die Stimmen des Schwerlastverkehrs, der S-Bahn und der Fernzüge, die Womackas sozialistisches Utopia umwehen, eingefangen; Joy hat daraus mit einigen technischen Hilfsmitteln ein geisterhaftes, siebenminütiges Orgelstück geschaffen.
„Alexanderplatz – Haus des Lehrers“ ist einer von 16 Beiträgen der Compilation „Errant Sounds“, die aus dem Aktivfeld des Projektraums Errant Sound entstanden ist. Die umherschweifenden Klänge – „errant“ lässt sich übrigens ebenso mit „sündig“ übersetzen, und warum auch nicht – haben ihr Basislager mittlerweile im Wedding. Vorher waren sie in Mitte in der Nachbarschaft von Spree und überbauter DDR-Industrie beheimatet, Tür an Tür mit einem Antiquariat, dem die Verbindung von Ästhetik und linker Haltung weiter gelingt.
Die „Errant Sounds“ fühlen der Stadt den Puls. Der schlägt mit Nachdruck, lautstarker Protest gehört dazu wie das Zirpen der Vögel, das Laura Mello auf mehreren Kontinenten aufgenommen und zu einer Komposition verdichtet hat.

V. A.: „Errant Sounds“ (Errant Sound / Errant Bodies Press Berlin); Cover-Design: Mario Asef
Bei Mario Asef sind es die Flechten zweier Steine und einer Bank im Tiergarten, die nach einem Raum klingen, der noch nicht zugebaut ist. Dem Psychedelic Choir fehlen die Worte, aber er ist nicht einsilbig. Zum Schluss spielt Georg Werner Orgel auf den Radiotasten. Da liegt etwas in der Luft, und dem sollte besser zugehört werden.
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