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Neue EU-StatistikWeniger Asylanträge in Deutschland gestellt

Die Zahl der Asylanträge in Deutschland ist in den ersten Monaten des Jahres 2026 stark gesunken. In der EU lässt sich insgesamt ein Abwärtstrend beobachten.

28.922 Schutzanträge wurden von Januar bis März gestellt: seit Jahren erstmals weniger als in Frankreich, Spanien und Italien Foto: Uli Deck/dpa

afp | Die Zahl der Asylanträge in Deutschland ist einem Zeitungsbericht zufolge von Januar bis Ende März gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 23 Prozent zurückgegangen und auf ein Rekordtief gefallen. Insgesamt wurden in den ersten drei Monaten dieses Jahres 28.922 Anträge gestellt. Damit belegt Deutschland demnach erstmalig seit 2015 den vierten Platz in der europäischen Asylstatistik, nachdem es zuvor jahrelang Spitzenreiter war.

Die Zahlen werden laut Welt am Sonntag in einem als vertraulich gekennzeichneten Bericht der EU-Kommission vom 1. April zur Lage der Migration in der EU und in Drittstaaten genannt. Laut der Zahlen der Asylagentur der Europäischen Union (EUAA) wurden die meisten Schutzgesuche demnach in Frankreich gestellt (34.643), gefolgt von Spanien (32.630) und Italien (32.602). Schlusslichter sind Ungarn (26) und die Slowakei (35).

Insgesamt wurden laut dem Bericht im ersten Quartal 2026 in den 27 EU-Mitgliedstaaten sowie Norwegen und der Schweiz 173.082 Asylanträge gestellt – ein Minus von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die meisten An­trags­stel­le­r:in­nen kamen aus Venezuela (21.542), Afghanistan (21.402) und Bangladesch (9738).

Rückgang von Asylanträgen aus Syrien und Ukraine

Syrien belegt mit Blick auf die Herkunftsstaaten der An­trags­stel­le­r:in­nen anders als in den vergangenen Jahren dem Bericht zufolge nur noch den fünften Platz nach der Türkei. Die Zahl der Schutzanträge von Sy­re­r:in­nen in der EU plus der Schweiz und Norwegen ging demnach bis Ende März um 63 Prozent auf 5.556 zurück. Auch aus der Ukraine kamen dem Bericht zufolge nur noch wenige Anträge: Die Zahl liegt demnach bei 4.073, ein Minus von 57 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Mit der restriktiven Aufnahmepolitik der deutschen Bundesregierung hat der Einbruch der Anträge in Deutschland allerdings wenig zu tun. Ex­per­t:in­nen sehen stattdessen den Rückgang der Asylanträge von Sy­re­r:in­nen und Ukrai­ne­r:in­nen als Grund. Diese hatten in der Vergangenheit häufig Deutschland als Zielland gewählt. Im Jahr 2026 gingen hierzulande nur noch 9 Prozent der Schutzanträge von Syrern aus, die meisten Anträge (38 Prozent) wurden dagegen von afghanischen Staatsbürgern gestellt.

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