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’Ndrangheta-Boss festgenommenAllein ohne die Mafia

Vielfacher Mord, Drogenhandel und organisiertes Verbrechen: Domenico Paviglianiti, genannt Don Mico, ist in Spanien festgenommen worden.

Am Sonntag gelang den Fahndern der italienischen Guardia di Finanza, der Finanzpolizei, ein großer Schlag. Im spanischen Städtchen Soria, gute 200 Kilometer nördlich von Madrid gelegen, nahmen sie Domenico Paviglianiti fest, einen wichtigen Boss der kalabrischen Mafiaorganisation ’Ndrangheta, der vor vier Jahren abgetaucht war.

Für den Boss war es ein Déjà-vu. Immer wieder war er in den letzten 30 Jahren in den Knast eingefahren. Und jedes Mal, wenn er in den vergangenen Jahrzehnten festgenommen wurde, blickte Domenico Paviglianiti mit dem gleichen Gesichtsausdruck in die Kamera: melancholisch, ja traurig. Grund dazu hatte er allemal, denn immer gab es die Haftbefehle, weil Don Mico – so sein Spitzname bei der ’Ndrangheta – wegen noch zu verbüßender jahrelanger Reststrafen zur Fahndung ausgeschrieben war. Diesmal soll er für weitere 11 Jahre ins Gefängnis.

Begonnen hatte der heute 65-Jährige seine kriminelle Karriere schon früh. In den 80er und 90er Jahren stand er, Anführer eines Clans aus dem 2.000-Einwohner-Nest San Lorenzo, an vorderster Front in dem Mafiakrieg, der damals die Provinz Reggio Calabria erschütterte und der insgesamt rund 700 Tote forderte. Unter anderem erschoss Paviglianiti im Jahr 1989 einen der Chefs der rivalisierenden ’Ndrangheta-Familien, als der gerade aus dem Gefängnis entlassen worden war.

Paviglianiti hatte sich auf die Seite der am Ende siegreichen Clans geschlagen; für ihn stand damit das Tor zum großen Geschäft vor allem im Drogenhandel offen, mit regen Geschäftsbeziehungen nach Norditalien ebenso wie nach Südamerika.

Dumm nur, dass ihm schon bald die Justiz auf den Fersen war. Schon 1996 muss Paviglianiti sich nach Spanien absetzen – es sollte auch später das Land seiner Wahl bleiben, wenn er der italienischen Justiz entkommen wollte. Dort jedoch wurde er kurz nach seiner Ankunft festgenommen und im Jahr 1999 nach Italien ausgeliefert.

Ein verräterischer Familienausflug

Schon damals hatte er ein stattliches Register an Verurteilungen angehäuft, wegen Mitgliedschaft in einer mafiösen Vereinigung, wegen mehrfachen Mordes ebenso wie wegen internationalen Drogenhandels. 30 Jahre insgesamt zu verbüßende Haft errechneten damals die italienischen Gerichte, doch im Jahr 2019 kommt er wieder frei.

Später hieß es, die Justiz habe sich bei der Berechnung der Gesamtstrafe verkalkuliert, zugunsten von Don Mico. Da aber hatte sich der Boss schon wieder nach Spanien abgesetzt

Später hieß es, die Justiz habe sich bei der Berechnung der Gesamtfreiheitsstrafe verkalkuliert, zugunsten von Don Mico. Da aber hatte sich der Boss schon wieder nach Spanien abgesetzt, ehe das Gericht in Bologna feststellte, dass er noch 11 Jahre und 8 Monate Haft zu verbüßen habe. Im Jahr 2021 wird der Boss erneut in Spanien aufgegriffen, kann sich ein Jahr später aber erneut absetzen.

Seitdem war er vom Radar der Fahnder verschwunden. Doch die Spezialeinheit Scico der italienischen Finanzpolizei blieb ihm auf den Fersen, und wie so vielen Bossen vor ihm wurde Paviglianiti am Ende zum Verhängnis, dass er auf die Pflege seiner Beziehungen auch im Untergrund nicht verzichten mochte. Es heißt jetzt, den Fahndern sei eine rege Reisetätigkeit von Familienmitgliedern Richtung Spanien aufgefallen.

Nicht spezifiziert wird, ob es sich dabei um seine ganz private oder seine 'Ndrangheta-Familie handelt, wobei sich gerade bei der kalabrischen Mafia beide sehr stark überlagern. Am Sonntag dann gelang im spanischen Soria der Zugriff, vor den Türen eines Restaurants, in dem Don Mico gespeist hatte.

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