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Nachschlag

■ Knut Ecksteins „Pappen“ in der Abguß-Sammlung: Irgendwie betrügerisch

Wo sonst keine Inspiration erkennbar ist, muß nicht zum erstenmal Walter Benjamins These von der Reproduzierbarkeit der Kunst herhalten. Knut Eckstein plaziert seine Papp-Objekte in Form von antiken Amphoren in das Umfeld der Berliner Abguß-Sammlung. Zwischen vorchristliche Statuen und Torsi berühmter Feldherren oder Götterscharen.

Seine Materialien sind schlicht: Pappe, Klebeband und Heftklammern. Die Variationsbreite der Vasenformen ist durch das starre Material arg eingeschränkt. Um ihnen Objekthaftigkeit zu verleihen, bannt Eckstein sie hinter Glas, in Kästen, also ganz im Sinne der bürgerlichen Museumstradition. Doch nicht nur das. Zu guter Letzt stellt er eine elfteilige Gruppe seiner plumpen Knautschprodukte Podesten spiegelgleich gegenüber. Gewissermaßen entthront, vom Sockel genommen. Da stehen auf der einen Seite die Objekte, auf der anderen Seite die weißen leeren Präsentationsflächen. Ein Wechselspiel von Annäherung an die antiken, weißen Skulpturen vermittelt die Farbgebung der Podeste: Abgrenzung und Ironie macht sich durch den schmuddeligen Charakter der Objekte, den Eindruck des Verpacktseins bemerkbar. Die aus mehreren Glasscheiben zusammengesetzten Schaukästen wirken brüchig, wie beschädigt. Daß die Pappe, wenn man in das Innere der Objekte schaut, kunstvoller als das äußere Erscheinungsbild ist, kehrt ihre Wirkung um: Das Innere ist das eigentlich kunstvolle Äußere.

Durchschreitet man den Ausstellungsraum bis ans Ende, trifft man auf eine einzelne Amphore. Zwischen dem mächtigen, freundlich lächelnden Jüngling Kuros von Samos (580/570 v. Chr.), dem Farnesischen Stier und der Athena, im Mittelpunkt des Raumes, nimmt sich die mickrige Amphore wie ein Witz aus. Spätestens hier fühlt man sich irgendwie betrogen. Lediglich eine einsame Vitrine bietet Anhaltspunkte zur Person des Künstlers, Werk inklusive. Darin arrangierte Faltblätter, die zum Kauf der Objekte anregen sollen, sowie Auspackanleitungen der vermutlich ohnehin nicht empfindlichen Kunstwerke tragen auch nicht wesentlich dazu bei, die Besucher für sich zu gewinnen. Eher im Gegenteil: ein Foto des Künstlers sowie eine eher pseudo-lustige, ganzseitige Werbe-Anzeige in der Bremer taz (betitelt mit „Sotheby“-Fake) erregt mehr Ärger als Interesse an dem Künstler. Katja Winckler

Noch bis zum 1.5., in der Abguß-Sammlung Antiker Plastik, Öffnungszeiten: donnerstags bis sonntags, 14–17 Uhr, Schloßstraße 69b, Charlottenburg.

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