Nachfrageboom bei Fahrrädern: Branche dreht am Rad

Die Nachfrage nach Fahrrädern boomt. Doch Lieferengpässe aufgrund der Coronakrise stellen die Hersteller vor Herausforderungen.

Arbeiter bei der Fahrradproduktion.

Boom Boom Boom Boom: aber nur, wenn die Lieferkette mitmacht Foto: Steffen Schellhorn / imago

BERLIN taz | Wer dieser Tage ein Fahrrad kaufen will, muss hartnäckig sein: Die Nachfrage ist groß, gleichzeitig stellen Lieferengpässe die Her­stel­le­r:in­nen vor Herausforderungen. In vielen Geschäften sind Fahrräder ausverkauft oder nur mit langen Lieferzeiten verfügbar.

Die Fahrradindustrie hat sich in Pandemiezeiten zur Boombranche entwickelt. Vor allem die Nachfrage nach E-Bikes sei in Deutschland ungebrochen, teilt der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) mit. Demnach wurden im ersten Halbjahr 2021 bundesweit schätzungsweise 1,2 Millionen E-Bikes verkauft, ein Plus von 9,1 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Ohne die Probleme in den Lieferketten hätten es deutlich mehr sein können, so der Verband. Die Verkaufszahlen für konventionelle Fahrräder sind im ersten Halbjahr 2021 im Vergleich zum Vorjahr dagegen um 26 Prozent zurückgegangen.

„Die Fahrradhersteller kämpfen um jedes Rad, das sie bauen können, weil immer wieder Komponenten fehlen“, sagt der Geschäftsleiter von Bosch eBike Systems, Claus Fleischer, einem der führenden europäischen Hersteller von Pedelecs. Besonders mechanische Komponenten wie Rahmen, Gabeln und Bremsen seien knapp. Aber auch an elektronischen Bauteilen mangele es, die besonders für E-Fahrräder unerlässlich sind. Ein Ende der Produktions- und Lieferengpässe sei nicht in Sicht.

Laut Hans-Peter Obermark vom Verband des deutschen Zweiradhandels (VDZ) gibt es dafür mehrere Erklärungen. „Im Grunde ist das Ganze der Pandemie geschuldet“, sagt er. Ein großer Teil der Produktion sei in asiatischen Ländern angesiedelt, in denen es immer noch zu Werkschließungen und Lockdowns wegen der Coronapandemie komme. Hinzu komme eine allgemeine Knappheit von Rohstoffen sowie stark angestiegene Kosten für die Containerverschiffung von Materialien und Teilen. Ein wesentlicher Faktor sei aber auch die stark gestiegene Nachfrage.

Fahrradmesse „Eurobike“ gestartet

Fahrradboom und Lieferengpässe sind auch Thema auf der weltweit größten Fahrradmesse „Eurobike“, die am Mittwoch in Friedrichshafen angelaufen ist. Nach coronabedingter Pause im vergangenen Jahr werden auf der Messe noch bis Samstag wieder Neuheiten aus der Fahrradbranche vorgestellt. Ein Schwerpunkt sind nicht nur die im Trend liegen E-Fahrräder, sondern auch Lastenräder, die auf der Messe ihre eigene Ausstellungsfläche haben. Die Transportmittel liegen nach Branchenangaben im Trend. Dem Projekt City Changer Cargo Bike zufolge haben Händler in Europa 2019 insgesamt 28.500 Lastenfahrräder verkauft, für 2020 wird ein Anstieg von 53 Prozent erwartet.

Insgesamt seien auf der Messe 630 Aussteller aus 42 Ländern angemeldet, sagte Eurobike-Projektleiter Dirk Heidrich. Das sind deutlich weniger als zuletzt im Sommer 2019. Damals waren 1.400 Aussteller am Bodensee dabei. Erstmals könnte die Fahrradmesse Konkurrenz von einer anderen Größe der Mobilitätsmessen erhalten: Auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA), die am 7. September startet, werden dieses Jahr auch Fahrradhersteller vertreten sein.

Nicht alle begrüßen diese Entwicklung: So teilte der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club mit, dass er nicht an der IAA teilnehmen wolle. „Die einzig wahre Fahrradmesse bleibt die Eurobike“, sagte Geschäftsführerin Ann-Kathrin Schneider.

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